Jeder, der länger als 365 Tage verheiratet ist, kennt das. Der Hochzeitstag naht. Irgendwie muss man reagieren. Meistens ist das dann die Aufgabe des männlichen Teils der Ehe. Das mindeste was die Gemahlin verlangen kann, sind Blumen, die am Morgen des Hochzeitstages fisch auf den gedeckten Frühstückstisch zu stehen haben. Ein goldener Armreif, eine güldene Kette mit einem geschliffenen Diamanten als Anhänger als Zugabe sollte der Mann ins Auge fassen. Den Hochzeitstag vergessen, das ist eine der sieben Todsünden. Wer auf diesen Tag nicht vorbereitet ist, kann sich darauf vorbereiten, am Näpfchen des Haustigers zu speisen, wenn dieser sich satt gefressen hat.

Hochzeitstag

In unseren Breiten haben wir es vergleichsweise gut. In Deutschland sind wir schon von Gesetzes wegen monogam. Die Männer können also im Jahr nur einmal das bedeutendste Datum ihres Lebens vergessen. In anderen Ländern gibt es die Polygamie. Da muss der Herr des Hauses ganz schön aufpassen, dass der die wichtigen Tag im Kalender nicht vergißt oder gar verwechselt.

Ich selbst hatte zusammen mit meiner Frau (mit wem sonst?) heute Hochzeitstag. Ich bekam von ihr ein paar schöne Gerberas. Natürlich darf sich meine Frau um diese Blumen kümmern. Ich habe nichts dagegen. Für´s Kaffee trinken am Nachmittag hatte sie zudem einen „Käsekuchen ohne Boden“ vorbereitet.

Ich konnte heute gar nicht unseren Hochzeitstag vergessen. Mein Maxl stand eine halbe Stunde früher als sonst bei mir am Bett. Zunächst dachte ich, er habe ein dringendes morgendliches Bedürfnis. Weit gefehlt. Nachdem ich mit angezogen hatte und zum Gassi gehen bereit war, legte sich der Hund wieder in sein Hundebett und schlief auch sofort ein.

Da kam mir in den Sinn, dass er mich wecken sollte, damit ich auch einen schönen gedeckten Frühstückstisch vorbereiten kann. Im Kaffee brühen und Tisch decken bin ich geübt. Also handelte ich wie mir vorgegeben. Flink stellte ich noch eine Hochzeitskarte auf das Nachttischchen meiner lieben Frau. So gerüstet konnte ich sie wecken.

Als eine kleine Überraschung habe ich für uns einen kleinen Abriss unserer gemeinsamen Zeit aufgeschrieben. An so etwas hatte sie nicht gedacht. Es war wirklich eine Überraschung, die ankam. Noch am Frühstückstisch schwelgten wir in Erinnerungen an längst vergangene Zeiten. Etwa daran, dass der Kommandant unserer Feuerwehr am Polterabend am laufenden Band fotografierte. Am nächsten Tag stellte er fest, dass er keinen Film in der Kamera gehabt hatte.

Am Nachmittag überraschte uns unser Sohn mit zwei Eintrittskarten für „Hannes und der Bürgermeister“. Der hat immer so eine Überraschung für uns drauf.

Alles in allem hatten wir einen schönen sonnigen Tag gehabt. Erinnerungen an längst vergangene Krankheiten haben wir bewußt ausgeblendet. Wir haben unseren diesjährigen Hochzeitstag nicht besonders vorbereitet, aber jeder hatte für den anderen eine kleine Überraschung parat. Das war schön.

Wir hoffen nun beide, dass noch viele, viele solcher Tage kommen.