Meine Wanderung auf dem Westweg 2011 (Teil 1)

Der erste Tag

Nun ist die Wanderung vorbei. Ich habe allerhand neue Eindrücke und einige Bilder mitgebracht.
Ich weiß gar nicht so recht, womit ich beginnen soll.

Die Etappenplanung war nicht schwer. Ich orientierte mich einfach am Etappenplaner des Schwarzwaldvereins. Ich konnte auch ohne Probleme die Unterkünfte für die Übernachtungen buchen.

Mit dem Wetter hatte ich einige Bedenken, war doch schon seit Anfang April fast durchweg Sonnenschein. Mit mir war der Wettergott gnädig, ein einziges Mal hatte es geregnet. Und das war in der Nacht als ich auf dem Harkhof übernachtete.

Nachdem ich schon vor drei Jahren einmal von Pforzheim bis nach Basel gewandert bin, erschienen mit heuer die Berge doch etwas höher und die Anstiege etwas steiler. Aber das lag wohl eher an meiner Verfassung zu Beginn der Tour über die Berge des Schwarzwaldes.

Am Dienstag, dem 26. April fuhr ich mit dem Zug von Ulm bis nach Birkenfeld/Enz. Der Weg beginnt zwar in Pforzheim am Kupferhammer, aber die ersten Kilometer durch die Stadt sind dann doch langweilig. Da ist es doch interessanter, gleich bis nach Birkenfeld zu fahren.
In Birkenfeld kann man vom Bahnhof aus gleich auf den Berg wandern, um die Höhenvariante des Weges zu wählen. Das ist für den Einstieg in die Wanderung recht angemessen. Nach einer Viertelstunde kann man dann schon vom Berg ins Tal der Enz schauen. Der Weg führt über Neuenbürg. In dem Supermarkt am Ortseingang genehmigte ich mir beim Bäcker einen Kaffee. Die Verkäuferin fragte mich, woher ich komme. Sie hatte logischerweise bemerkt, dass ich aus dem Vogtland komme. Sie selbst stammte aus Hof. Nun muß man dazu wissen, dass Hof etwa 60 km südlich meiner Heimatstadt Mylau liegt. Nach der Wende haben die Hofer Einwohner viel ertragen müssen mit uns „Ossis“. Ich kaufte mir eine Butterbrezel und einen Kaffee. Ob unserer (fast) gemeinsamen Herkunft schenkte mir die Frau die Butter. Eine kleine Geste, aber mir hüpfte das Herz etwas höher. Das war doch ein gutes Zeichen für den Beginn der Wanderung.

Die "lange Bank" in Dobel ausgangs des Westwegs in Richtung Forbach.

Meine erste Unterkunft hatte ich in der kleinen Schwarzwaldgemeinde Dobel gebucht. Noch voriges Jahr gab es in der Mitte des Ortes einen Getränkemarkt. Der war von allen Seiten ganz leicht zu erreichen, auch zu Fuß. Dieses Jahr wollte ich mich für den kommenden Tag mit Mineralwasser versorgen – Pustkuchen. Statt des Getränkemarktes gibt es jetzt am Ortsausgang nach Bad Herrenalb, also einige hundert Meter bergab, einen kleinen Supermarkt. Das ist für Autofahrer gar kein Problem, aber für Wanderer, die dann vom einem Ende des Ortes zum anderen gehen müssen, ist das doch etwas beschwerlich. Ja, ihr lieben Gemeindeverantwortlichen, das solltet ihr mal überdenken.

 

Der zweite Tag

Noch vor meiner Wanderung hatte ich mir drei Finger der linken Hand verletzt, zwei mussten genäht werden. Die Pensionswirtin in Dobel vereinbarte für mich bei einem Allgemein- und Badearzt für den nächsten Tag einen Termin, an dem die Fäden aus den lädierten Fingern gezogen werden sollten. Pünktlich war ich da. Der Arzt jedoch war in der Früh zu einem Notfall gerufen worden. Ich fragte, wie lange ich rechnen müsse. Das sei ungewiß. Und wenn der Arzt kommt, dann kämen noch fünf oder sechs Patienten vor mit dran. Da verlangte ich die Überweisung, die mir meine Hausärztin mitgegeben hatte, zurück. Ungläubig starrte mich die Dame hinterm Tresen an. „Ja, ich nehme die Überweisung wieder mit. Ich suche mir einen anderen Arzt.“, sagte ich. Die Fäden ließ ich mir dann in Forbach ziehen.

Murgbrücke

Der Weg nach Forbach verläuft über weite Strecken an der Kammlinie zum Tal der Alb. Immer geht es durch schattige Wälder. Im letzten Drittel der Strecke kann man den Hohlohsee, ein Hochmoor, und den Hohlohturm (Kaiser-Wilhelm-Turm) bestaunen. Der Hohloh hat es mit seinen 988 Metern nicht ganz geschafft, ein Tausender zu werden.

 

Am Latschigfelsen kann man den Abstieg ins Murgtal erahnen. Fast 800 Meter Höhenunterschied sind zu bewältigen. Das geht ganz schön in die Gelenke. Für solche Strecken muss man sich auch viel Zeit nehmen.
Vor Forbach/Gausbach kann man die Heuhütten sehen, die von Einwanderern aus Tirol ins Murgtal gebracht wurden.

Während ich unterwegs war, hat meine Marlies in Forbach nach Ärzten gesucht, der mir die Fäden aus den genähten Fingern zieht. Ich hätte ins Krankenhaus gehen können oder zu einem Allgemeinarzt. Bei letzterem hatte ich nur ein paar Meter von meiner Unterkunft aus zu laufen. Also suchte ich diesen auf. Pünktlich zu Beginn der Sprechstunde war ich da. Der freundlichen Dame an der Anmeldung sagte ich, dass ich auf dem Westweg wandere. Sie ließ mich nicht ausreden und entgegnete mir: „Aha, bei ihnen müssen Fäden gezogen werden.“ Da war ich aber paff. Das Krankenhaus hatte die Arztpraxis informiert. Einfach toll!

Der dritte Tag

Die vielen Höhenmeter, die ich am Vortag nach Forbach abgestiegen bin, musste ich heute wieder hoch gehen. Gleich, als ich die Pension verlassen hatte, ging es steil bergauf. Puh! Das war eine Plagerei kann ich euch sagen. Zunächst führt der Weg im Zick-Zack gleichmäßig hoch. Dann wurde es ein bissel steiler, die Wege sind dann bessere „Trampelpfade“. Schließlich landet man auf einer Hochebene etwas oberhalb der Schwarzenbach-Talsperre. Diese Talsperre ist ein Rückhaltebecken eines Pumpspeicherwerkes. Zurzeit fehlt viel Wasser in der Sperre.
Kurze Zeit nach Passieren des Stausees führt der Weg wieder über Stock und Stein nach oben. Diese Unregelmäßigkeiten beim Steigen können viel Kraft kosten.
Am Herrenwiessee kann man noch einmal rasten. Dann führt das letzte Stück des Wegs auf die Badener Höhe wieder im Zick-Zack über steinige Wege. Wenn man dann oben steht, auf dem ersten Tausender der Wanderung, kann man zurecht ein bissel stolz die Aussicht genießen.

Die Badener Höhe (1002 m)

Auf der Badener Höhe ist aber noch lange nicht Schluß. Über die Kurkliniken Sand erreicht man die B 500, die Bundesstrasse, die den Schwarzwald wie der Westweg von Nord nach Süd durchzieht. Acht oder zehn Kilometer geht’s neben der Bundesstrasse bis nach Unterstmatt. Da wartet dann die Einkehr.

 

Auf dem Weg von Forbach nach Unterstmatt habe ich Sebbel getroffen, ja, den Sebbel, der auch ab und zu in unserem Forum schreibt. Sebbel wohnt unweit von Forbach. Er war mit seiner Tochter unterwegs. Die beiden waren schneller als ich. Wir konnten uns auf der Badener Höhe unterhalten. In der „Hochkopfstube“, das ist die Gaststätte, in der ich übernachtete, haben wir dann zusammen mit der Emma Kaffee getrunken und ein bissel gequatscht. Es war für mich sehr schön, Bekannte getroffen zu haben.

Beim Start in Forbach ist mir dann noch ein Missgeschick passiert. Ich habe in der Pension meine Mütze vergessen. In der Sonne ist es von Vorteil, wenn das schüttere Haar mit einer Mütze bedecken kann, man vermeidet Sonnenbrand auf dem Schädel. Emma hat dann aber Hilfe gebracht. Vor etwa zwei Jahren hatten Marlies und ich Emma und Sebbel besucht. Da hatte ich damals auch meine Mütze vergessen. Und diese Mütze hat Emma zu unserem Zusammensein mitgebracht.
Danke Emma!

Als ich dann das Abendessen bestellte, saß ein älterer Mann an der Theke in der Hochkopfstube. Er hatte ein Viertle Roten vor sich und unterhielt sich mit der Wirtin. Er fragte mich dann nach dem Woher und Wohin. Da stellte sich heraus, es war ein Pfarrer i.R. aus Bühl. Früher hatte er zwei Kirchen zu betreuen. Es war angenehm, sich mit ihm zu unterhalten. Ich sagte dann zu ihm, ein Viertele und am Tresen sitzen, dass kann doch nur ein Pfarrer sein. Darüber lachten wir beide sehr herzlich.
Trotz der Anstrengungen war es ein schöner Tag.
Ich legte mich dann auch zeitig schlafen, am nächsten Tag wartete als erstes die Hornisgrinde auf mich.

Der vierte Tag

Die Hornisgrinde, der höchste Berg des Nordschwarzwaldes

Es ist gar nicht so schwer, auf die Hornisgrinde zu steigen. Von der Hochkopfstube aus überquert man den Parkplatz und geht dann gleich neben der „Tanne“ nach der „Roten Raute“. Der schmale Weg führt zum Wanderheim „Ochsenstall“. Der Anstieg ist moderat. Nach dem Wanderheim wird der Weg etwas steiniger, aber dann ist es auch gar nicht mehr weit, steht man auf der Hochfläche. Ein bissel weiter sieht man schon die Windräder.
Die Hornisgrinde ist der höchste Berg des Nordschwarzwaldes. Der Bergrücken ist etwa zwei Kilometer lang. Die Hornisgrinde wurde auch militärisch genutzt.
Man kann zum Mummelsee absteigen oder gleich zum Seibelseckle gehen. Der Mummelsee ist ein Karsee. Das Mummelseehotel ist vor drei Jahren abgebrannt. Es wurde in der Zwischenzeit aber wieder aufgebaut.

 

Drei oder vier Kilometer vor dem Ruhestein, einem beliebten Ausflugsziel an der Schwarzwaldhochstraße, kommt man an der Darmstädter Hütte vorbei. Die Darmstädter Hütte ist ein sehr schöner Rastplatz. Nach den Kilometern seit Unterstmatt ist diese Möglichkeit auszuruhen und Kraft zu schöpfen sehr willkommen. Hier werden einfache Gerichte und kalte und heiße Getränke angeboten. Was will man mehr. Mensch und Tier können sich gut erholen. Ich mache hier gerne eine Pause. Ich bestellte mir ein Paar Wiener mit Kartoffelsalat und suchte mir einen Platz auf der Terrasse. Auf einmal bemerkte ich, wie ein kleiner Westi, so ein kleines knuddliges Hundilein, sich lang machte und auf meinen Tisch guckte. Naja, ganz so geht es nun auch nicht. Die Hundeleute riefen den kleinen Kerl zurück. Ich aß meine Wiener und den Kartoffelsalat. Aber zwei Stückchen von der Wurst habe ich in eine Serviette gewickelt und zu den Wanderern mit Hund an den Nachbartisch gebracht. Ich sagte, weil es nicht gut sei, dass Hund von Fremden etwas bekommen gebe ich die Leckerlie Frauchen und Herrchen. Sie sollen doch dem Kleinen eine Freude machen. Ach wie hat der Westi sich gefreut. Jemanden eine Freude machen ist eben auch eine Freude.

Der Ruhestein

Am Ruhestein angekommen, führt der Weg von der Bergstation des Skilifts bis ins Tal … und auf der anderen Seite an den Skisprungschanzen wieder hinauf zur B 500. Das ist eine Schufterei. Nach dem Überqueren der Bundesstraße geht es weiter bergauf, danach durch eine leichte Senke und dann hinauf zum Schliffkopf. Hier wäre noch eine Möglichkeit, mit dem Bus nach Kniebis zu fahren. Ich wollte es aber wissen und ging den Wanderweg weiter. Am Lotharpfad vorbei über die „Zuflucht“, an der zur Zeit an der früheren Jugendherberge gebaut wird, kommt man dann zur Alexanderschanze. Das Hotel „Alexanderschanze“ hat erst ab Mai geöffnet. Von außen macht es keinen einladenden Eindruck. Es sieht aus, als können der Gast von da ungebetene Gäste mitnehmen. Ich habe auch aus diesem Grund ein Zimmer in Kniebis gebucht, auch wenn ich von da aus noch etwa zwei Kilometer gehen musste. Was macht das schon, 28 Kilometer oder 30? Mein Zimmer jedenfalls war in Ordnung. Zu Abend essen kann man in der Kniebishütte (keine fünf Minuten von meinem Zimmer) oder in kleinen und feinen aber eben auch teuren Hotel in der Nachbarschaft.

 

Ich zog die Kniebishütte vor. Abends legte ich mich todmüde ins Bett und schlief auch sogleich ein. Nach dem langen Streckenabschnitt des Tages war das verständlich.

Teil 2 folgt bald.

2 Kommentare

  1. Bitteschön Frieder, keine Ursache ;-))

    Deine MÜtze ist per Post unterwegs gell, damit diese nicht wieder zwei Jahre auf dich verzichten muß.

    liebe Grüße
    Emma

    • Danke, liebe Emma,
      wenn die Mütze hier eintrifft, dann ist alles von mir wieder zu Hause 🙂
      Liebs Grüßle
      Frieder

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*