Meine Wanderung auf dem Westweg 2011 (Teil 2)

Der fünfte Tag

 

Heute geht es von Kniebis zum Vesperstüble Hark. Dieser Tagesabschnitt ist mit seinen 16 Kilometern fast etwas zum erholen vom Tag vorher. Der Weg lässt sich schön gehen, zumeist über schattig Wald- und Forstwege. Unterwegs ist kommt man am etwa 200 Meter tiefer gelegenen Glaswaldsee vorbei. Der Blick auf diesen Karsee ist eine Schau. Wer will, kann auch zum diesem See absteigen. Von der Wanderzeit her ist das kein Problem.

Der Harkhof, so wie ihn der Wanderer beim Kommen sieht.

Die Hark gehört zu Oberharmersbach. Sie ist ein Bauernhof am Westweg gelegen. Weit und breit ist kein anderer Hof zu sehen. Von Oberharmersbach führt eine schmale Straße zum Vesperstüble. Diese Straße und der Westweg bringen viele Gäste hierher. Auf dem Harkhof wird fast alles selbst erzeugt. Milch und Milchprodukte sowieso, aber auch das Fleisch und die Wurst, Brot und Honig, Marmelade und was weiß ich noch alles, wird hier selber erzeugt. Trotzdem oder gerade deswegen braucht diese Gaststätte einen Vergleich zu anderen überhaupt nicht zu scheuen. Die Übernachtung für 20 Euronen ist auf der gesamten Tour fast nicht zu unterbieten. Das Essen ist Spitze. Schade, könnte ich sagen, dass ich für die Hark nur einen Tag, respektive eine Nacht bleiben konnte.

Übrigens, auf der Hark hatte es zum einzigem Mal während meiner Wanderung geregnet. Der Regen fiel aber, als ich im Bett lag. Am Morgen schien wieder die Sonne.

Der sechste Tag.

Der Westweg in seiner heutigen Streckenführung führt von der Hark nach Hausach und dann weiter nach Schonach. Früher ging man von der Hark nach Haslach.

Vor drei Jahren hielt ich mich konsequent an die offizielle Streckenführung. Heuer ging ich den Weg über Haslach. Ich musste dazu zwar einige Kilometer weiter gehen, aber die Ausblicke ins Kinzigtal waren bestimmt ebenso schön wie auf der Strecke nach Hausach.

 

Zunächst ging es auf den Brandenkopf. Von hier aus gelangt man zu den Nillhöfen. Es war am 1. Mai, als ich diesen Weg ging. Kind und Kegel war unterwegs. Auf einer Wiese bei den Nillhöfen hatte die Feuerwehr ein Festzelt aufgebaut. Und vom Tal her strömten viele Leute mit und ohne Kinder diesem Festzelt zu. Es war fast so, wie es der alte Goethe in seinem Osterspaziergang beschrieben hat. Von einer Gruppe junger Leute, die mit einem Bollerwagen voller Bierflaschen unterwegs war, wurde mir auch ein Bier angeboten. Die konnten meine Ablehnung gar nicht begreifen. Ich hatte aber auch wenig Zeit, das alles gründlich zu erklären. Das Bier wird sicherlich nicht umgekommen sein. Von den Nillhöfen kommt dann ein sehr langer Abstieg nach Haslach. Der Weg führt ausschließlich über Waldwege. Wenn man dann aus dem Wald heraustritt, hat man noch eine sehr schöne Aussicht auf Haslach und das Kinzigtal.

Ein Blick auf Haslach.

Ein Blick auf Haslach im Kinzigtal

Ich musste von Haslach aus noch weiter gehen in Richtung Elzach bis nach Mühlenbach und von da aus noch das Bärental hoch bis zum Steffeshof. Da hatte ich das Zimmer gebucht. Den Steffeshof kannte ich schon vom Vorjahr, als ich mit meiner Marlies hier übernachtete. Ich bekam das gleiche Zimmer wie vor einem Jahr. Die Oma des Hofes war die Vermieterin. Nachdem ich mich einquartiert hatte, lud mich die alte Frau Heinzmann zu einem Kaffee ein. So kam ich zu Kaffee und Kuchen und zu einem netten Gespräch über Gott und die Welt. Ihr Mann ist vor einige Jahren gestorben. Zuvor lag er in verschiedenen Kliniken in der Umgebung von Haslach und auch in Freiburg. Die Frau Heinzmann weiß heute noch die Wege zu den Krankenhäusern.

Frau Heinzmann sen. kennt sich auch auf dem Westweg aus. Sie kennt die Prechtaler Schanze und sie kennt auch die Nillhöfe.

Die Oma wird heuer 80. Sie fährt aber noch Auto, um im nahe gelegenen Haslach einzukaufen. Sie ist noch sehr rüstig. Ich hatte den Eindruck, dass sich auch die alte Dame sehr über unser Gespräch gefreut hat.

Als es ans Bezahlen ging, gewährte sie mit noch einen Preisnachlaß. Ich konnte das gar nicht richtig fassen. Aber es war tatsächlich so. Frohen Mutes konnte ich dann den stetigen kilometerlangen Anstieg bis auf den Karlstein angehen.

 

Der siebente Tag

 

Heute läuft der Westweg zur Hochform auf. Bis zum Vesperstüble Silberberg, das Ziel des heutigen Tages, müssen mehr als 1000 Höhenmeter überwunden werden. Gegenüber dem Steffeshof führt der Weg gleich steil bergan. Der Rucksack drückt ganz schön, so habe ich wenigstens den Eindruck. Ich habe mir vorgenommen, die ersten Kilometer bis zum Büchereck ohne Halt zurückzulegen. Es war ganz schön anstrengend, aber ich habe es geschafft.

Wegweiser auf der Prechtaler Schanze

Wegweiser auf der Prechtaler Schanze

Vom Büchereck führen drei Wege weiter. Wie immer auf dem Westweg muss man im Zweifelsfall den steilen wählen. Also hieß es nach einer kurzen Pause, tief Luft holen und weiter bergauf. Auf der Prechtaler Schanze kann man dann wieder richtig durchschnaufen. Vorbei am Huberfelsen kommt man zum Karlstein. Der hat es noch mal in sich. Steil und steinig ist der Weg, eben naturbelassen. Auf dem Karlstein angekommen wird man mit einer herrlichen Aussicht belohnt.

Unweit vom Karlstein befindet sich die Ausflugsgaststätte „Schöne Aussicht“. Das ist zwar ein pikfeines Lokal, aber der Wanderer kann hier seinen Durst stillen ohne schief angesehen zu werden.

Jetzt wird zum Endspurt dieser Etappe geblasen.

Das Vesperstüble Silberberg ist eine kleine aber feine Einkehr, etwa zwei Kilometer vor der „Wilhelmshöhe“ gelegen. Das Vesperstüble und auch die Wilhelmshöhe gehören zu Schonach. Im Vesperstüble bekommt man typisches Essen aus der Region, also Schwarzwälder Schinken, selbst gemachte Wurst etc. Beim Frühstück sieht die Wirtin darauf, dass der Wanderer genügend zu essen hat. Man kann sich auch für die weitere Tour ein paar Brote einpacken.

Falls man die Absicht hat, von hier aus mit dem Handy zu telefonieren, muß man aus dem Haus ein paar Meter in Richtung Wilhelmshöhe gehen.

 

Die Gaststätte kannte ich bereits vom vergangenen Jahr. Als ich dieses Jahr angekommen war, sehnte ich mich nach einer heißen Dusche. Das hat mich wieder fit gemacht. Eine Brotzeit mit geräucherten Bauernbratwurst wirkte Wunder.

 

Am nächsten Tag erwartete mich eine moderate Etappe.

 

Der achte Tag

 

 

Heute erwartet mich ein interessanter Tagesabschnitt. Doch der Reihe nach.

Vom Vesperstüble aus habe ich etwa zwei Kilometer bis zur Wilhelmshöhe zu gehen. Nach wenigen hundert Metern kommt ein Bauernhof mit einer kleinen Besonderheit. Auf dem Hof läuft ein ausgewachsenes Schwein ganz frei herum. Es ist weniger ein Schwein als ein Hund, von der Funktion her, nicht von der biologischen Abstammung. Das Schwein hat alle Freiheiten. Es geht in den Garten, es guckt auf der Weide nach den Kühen und es kann sich eben auch in einer Schlammkuhle suhlen. Im vergangenen Jahr kamen wir mit der Bäuerin ins Gespräch. Schweinchen darf sogar mit ins Haus. Nur im Bett, da hat es nichts zu suchen.

Schwein

Schwein


Gar nicht weit von der Wilhelmshöhe aus führt der Westweg zu einem Naturschutzgebiet, dem Blindensee. Das ist ein Hochmoor, zu dem auch ein kleiner See gehört. Hier gibt es seltene Pflanzen und Tiere. Über den See führt ein Bohlenpfad. Und an einer Stelle sind sogar Bänke aufgestellt, so dass der Wanderer hier entspannen kann.

Ohne große Steigungen geht es weiter vorbei am Skizentrum Schönwald in Richtung Martinskapelle. Ganz unscheinbar am Wegesrand kann man die Elzquelle sehen. Stünde da nicht ein Hinweisschild, käme niemand auf die Idee, dass dieses Rinnsal eine Quelle ist.

Nur wenige hundert Meter weiter befindet sich die Quelle der Breg, des größten Quellflusses der Donau. Irgendwie staune ich immer wieder in das Wasser und stell mir vor, dass es irgendwann sozusagen bei uns zu Hause in Ulm vorbei fließt. Dann denke ich daran, ein Papierschiffchen mit einem lieben Gruß einzusetzen und muß schmunzeln, weil ich weiß, dass ein Papierschiffchen nie den Weg bis Ulm schaffen würde. Aber der Gedanke daran ist doch interessant.

Weiter geht’s. Am Güntherfelsen vorbei ist es gar nicht mehr weit bis zum Brend. Zunächst kann man im Naturfreundehaus Brend einkehren. Ich habe es ausprobiert und war sehr zufrieden. Aus dem Speisenangebot wählte ich etwas besonders, eine „Erbssuppe mit Wienerle im Bierkrug“. Ich fragte den Wirt, was mich da erwartet. Er klärte mich auf, „eine Erbssuppe mit Wienerle im Bierkrug serviert.“ Und so war es auch. Das hat mich so beeindruckt, dass ich sogar vergessen habe zu fotografieren. Es hat sehr gut geschmeckt, diese Gericht und preiswert war es auch.

Auf dem Brend steht noch ein Aussichtsturm, von dem aus man weit ins Land schauen kann. Leider war es dieses Mal sehr diesig, so dass keine gute Sicht war. Ich verzichtete deshalb darauf, den Turm zu besteigen.

Neben einer wenig befahrenen Straße führt der Weg in Richtung Gaststätte „Goldener Rabe“ und dann weiter zum „Neueck“. Hier trifft man wieder auf die B 500. Neben der Straße, jedoch etwas abseits, führt der Weg zur „Kalten Herberge“. Das Ziel des heutigen Tages hat man nach etwa 25 Kilometern erreicht.

Kalte Herberge

Kalte Herberge


Die „Kalte Herberge“ hat dienstags Ruhetag. Wanderer finden hier aber trotzdem eine Übernachtung. Nun gibt es für den Fall, dass Ruhetag ist, eine kleine Besonderheit. In der Nachbargemeinde, in Urach, gibt es eine kleine Gaststätte, das Bierhäusel. Wer von der Wanderern es gerne möchte, kann im Bierhäusel Abendbrot essen. Die Wirtin des Bierhäusels holt dazu die Gäste von der Kalten Herberge ab, serviert Essen und Trinken und fährt sie dann wieder mit dem Auto zurück zur Kalten Herberge. Das Essen im Bierhäusel ist schmackhaft und preiswert. Gemütlich ist es zudem auch in der kleinen aber feinen Gaststätte.

 

Ich nahm auch dieses Mal den Service an, Mit mir war ein Ehepaar und ein Inder, die sich zum Bierhäusel fahren ließen. Der Inder wohnt schon seit vielen Jahren in Deutschland. Ich traf ihn zum ersten Mal auf den Prechtaler Schanzen. Da dachte ich, Dr. Watson kommt daher. Mit dem Hut auf dem Kopf und seinen Reiseutensilien, die einer Botansiertrommel glichen, war er dem Doktor von Sir Arthur Conan Doyle sehr ähnlich. Das Ehepaar war aus Freudenstadt und wollte auch auf dem Westweg nach Hinterzarten. Ich sah sie aber zuletzt beim Frühstück in der Kalten Herberge und dann nie wieder.

 

Das Essen im Bierhäusel war wie immer gut. Ich leistete mir eine Roulade mit Spätzle. Aber auch das Schnitzel mit Pommes sah gut aus und verbreitete einen herrlichen Duft. Hmmmm. Ich wollte dann nach dem Essen wieder zurück in die Kalte Herberge, schließlich musste ich noch irrigieren. Meine Begleiter wollten noch ein Viertele trinken und noch ein bissele quatschen. Deshalb fuhr mich die freundliche Bierhäusel-Wirtin alleine zurück zur Herberge. Vielen Dank.

 

Der folgende Tag begann mit einem guten Frühstück. Das kalte Büffet war perfekt. Es fehlte nichts. Wurst, Schinken, verschiedene Sorten Müsli, Joghurt, Quark, Orangen- und Apfelsaft, Brot, Brötchen, Marmelade und Honig, dazu Kaffee oder Tee nach Wahl. Wandererherz (oder besser gesagt, Wanderermagen), was  willst du mehr?

So vorbereitet ging es auf zum neunten Tagesabschnitt.

Der dritte Teil folgt bald.

 

2 Kommentare

  1. Hallo Frieder, wollte mich mal abmelden.
    Wir wollen ab Donnerstag weiterlaufen. Bis Alexanderschanze waren wir ja schon und ab da starten wir Donnerstag ca 10 Uhr. Das Zimmer im Harkhof ist schon reserviert. Ich bin mal gespannt ob ich den ganzen Weg bis Basel schaffe bzw ob wir es schaffen.
    ganz liebe Grüße und bis bald
    Emma

    • Hallo Emma,
      alles Gute für euere Wanderung.
      Auf dem Harkhof war es auch dieses Mal wieder Spitze. Sag der Frau Hug (die Chefin dort) schöne Grüße von den Büttners. Wir sollten ihr in Erinnerung sein.
      Von der Hark nach Hausach kommt ihr am Hohenlochen vorbei. Da gab es dieses Mal für mich Kaffee gratis. Die Hütte wurde vom SWV bewirtschaftet. Kaffe oder Tee oder Wasser hat nicht gekostet.

      Liebs Grüßle
      Frieder

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