… muss mich geritten haben, als ich auf die Idee kam, ins Badische zu fahren um mit meiner Frau wandern zu gehen. Als ob es auf der Schwäbischen Alb nicht auch lohnenswerte Wanderwege gäbe. Nein, der Westweg mußte es sein. Aber wenn schon der Westweg, warum sind wir erst am Nachmittag losgefahren? Ich fahre doch sonst immer in der Früh.
Die Rechnung lies auch nicht lange auf sich warten. Kaum sind wir auf die Autobahn gefahren, da standen wir auch schon im Stau. Immerhin bewegten wir uns innerhalb einer Stunde vielleicht 30 Kilometer. Das ist doch was, gell.
Ich glaubte, die Teufeleien des Wochenendausflugs überwunden zu haben, da beschlich mich ein ganz trüber Gedanke. Kann man im Schwarzwald gut mit Sandalen wandern? So lautete die Frage, die ich nun beantworten mußte. Meine Wanderschuhe standen zu Hause im Regal. Zurück fahren kam nicht infrage. Barfuß wandern ist vielleicht etwas von Pfarrer Kneipp, aber für unser Unternehmen gar nicht geeignet. Es war ja Samstag Nachmittag, die Läden hatten noch geöffnet. Einem Schuhkauf stand nichts im Wege. Für zehn Euro passten die Schuhe ausgezeichnet.
Nach der Übernachtung in einem bekannten Kurort machten wir uns am folgenden Tag auf die Tour. Für meine Frau war es angfangs die Tour, später wurde für sie die Tour zur Tortur. Ihre ramponierte rechte Hüfte meldete sich nach der Hälfte der ersten Etappe schmerzhaft zu Wort. Nur mit Mühen erreichte sie die geplante Unterkunft.

Vesperstüble Hark

Das Vesperstüble Hark, unsere Unterkunft auf dem Weg nach Hausach.

Am nächsten Tag kam für sie das Aus. Mit Hilfe der Wirtin kam sie zu einem Bahnhof und von da mit dem Zug bis zum Zielpunkt unseres Wochenendausflugs.
Ich selbst war der Wandervogel. Ich hatte einen guten Tag. Anfangs.

Kreuzsattelhütte zwischen Hark und Hausach

Die Kreuzsattelhütte zwischen Hark und Hausach


Unterwegs kam ich an einer Hütte vorbei, die bewirtschaftet war. Es gab Kaffee gratis, bezahlt vom Schwarzwaldverein. Vielen Dank, ihr wardt eine der wenigen, die mir dieses Wochenende in schöne Farben malten. Ich fotografierte noch einen bekannten Scharzwaldhof und war pünktlich am Treffpunkt. Es blieb sogar noch Zeit, ein Glas kühles Mineralwasser in einer Bahnhofsgaststätte zu genießen.
Mit dem Zug gings zurück in Richtung erster Unterkunft. Kurz vor dem Umsteigen in den Bus suchte ich die kleine praktische Digicam. Wo war sie nur und wo waren die schönen Aufnahmen von den Quälereien des Wochenendes? Sie war nicht mehr da. Einfach weg. Aber wo war sie weg gekommen?
Wir mußte auf den Anschlußbus noch zwei Stunden warten. In glühender Sonne können zwei Stunden zu einer nie endenten Qual werden. Schließlich sassen wir im Bus. Wir konnte in unser Auto steigen und zur letzten geplanten Übernachtung fahren. Ich machte noch mal Halt an der oben genannten Bahnhofsgaststätte. Ich ging auf die Wirtin zu und sagte: „Vor fünf Stunden habe ich bei Ihnen ein Mineralwasser getrunken … „. „… und ihren Fotoapparat hier liegen gelassen.“ fiel sie mir ins Wort. Ich hätte sie umarmen können. Und das sagte ich ihr auch. Sie verzichtete aber dankend auf mein Angebot. Ich war dennoch überglücklich über die ehrlichen Menschen im allgemeinen und über die ehrliche Wirtin im besonderen.
Wir suchten unere Pension auf, machten noch einen kleinen Spaziergang, unterhielten uns noch mit der etwa 80-jährigen Wirtsfrau und legten uns schlafen.
Das Frühstück hatten wir auf dreiviertel Neun geordert. Schon beim ersten Blinzeln kamen mir wieder absonderliche Gedanken. Wo ist mein Geld? Wo ist das Portemonnaie? Es war nicht mehr da. Es war weg, weg wie die Kamera. Oh, es konnte im Auto liegen. Im Auto war es nicht. Beim Umziehen auf dem Parkplatz vor der ersten Pension könnte es liegen. Ein Anruf bestätigte die Vermutung nicht. Im Bus, ja im Bus. Da bin ich so kaputt in dem Sitz versunken. Da habe ich es bestimmt verloren. Das Busunternehmen konnte meine Vermutung nicht bestätigen. Geld weg, Ausweis weg, Fahrerlaubnis weg, EC-Karte weg. Ich war ein geschlagener Mann. Ich brauchte einen Schluck Wasser. Also wieder ins Auto …. da lacht mich mein Portemannaie von der Ablage her an.
Ich bleibe demnächst im Schwäbischen. Da muss ich nicht durch einen Stau. Frauchens Hüfte kann sie zu Hause pflegen. Kamera und Gelbörse gehen nicht verloren.
Oder ob ich den Westweg doch wieder gehe? Immerhin gibt es im Badischen auch viele ehrliche Menschen, die mir so geholfen haben. Und ich kann von der Schwäbischen Alb nicht über den Rhein bis zu den Vogesen schauen.

4 Kommentare

  1. Lieber Frieder,
    das war ja ene Wanderung – gekennzeichnet von Pleiten, Pech und Pannen. Zuerst wünsche ich Deiner Frau gute Besserung und hoffe,dass die Schmerzen nachgelassen haben.
    Ja, es ist schön zu hören, dass es noch ehrliche Menschen gibt.
    Ich habe beide Berichte mit großem Interesse gelesen. Deine Fotos sind – wie immer – sehr schön.
    Aber du hast recht, auch im Schwäbischen und im Odenwald gibt es herrliche Wanderwege.
    Einen ganz lieben Sonntagsgruß schickt Dir
    Irmi

    • Hallo liebe Irmi,
      so ist das eben, manchmal meint man, das Pech klebt so richitg am Wanderstiefel. Nachdem mein Portemannaie wieder da war, konnte ich wieder herzhaft lachen.
      Mir hat es der Westweg angetan. Aber ich möchte noch viel wandern. Es gibt so viele Premiumwege, die ich gehen möchte. Nur wird mit der Zeit auch das Wandern recht teuer. Da muss man eben gut planen.
      Vielen Dank auch für die lieben Genesungswünsche an meine Frau.
      Liebs Grüßle an den Neckar
      Frieder

  2. Oh weh Frieder,
    ja so Tage kenne ich – da bin ich so durch den Wind, daß ich denke wäre man doch lieber im Bett geblieben – alles was ich in die Hand nehme suche ich kurz drauf später wieder 🙂
    Aber schön, daß Du wenigstens schöne Wanderstunden mit ehrlichen Menschen erleben durftest – ich glaub der Westweg war hier nicht dran schuld und freut sich bestimmt, wenn Du ihn mal wieder begehst :-)) Vielleicht in unserer Begleitung ??
    Liebe Grüsse Angelika

    • Hallo Angelika,
      als sich alles in Wohlgefallen aufgelöst hatte, mußte ich auch lachen. Bis dahin gingen mir alle möglichen Schreckensszenarien durch den Kopf.
      Ich liebe den Westweg. Da ist es durchaus denkbar, dass wir zusammen auf dem Westweg wandern. 🙂
      Liebe Grüße
      von Frieder

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