Mit den Jahrestagen habe ich meine Probleme. Der September ist bei mir ein Monat, in dem sich diese Tage häufen.

Im September habe ich Geburtstag. Nein, ich möchte kein Geschenk vom Leser dieses Beitrages. Ich kann ja auch gar nicht viel dafür, dass gerade ich im September geboren wurde. Da wäre es doch sinnvoller, meiner Mutter und meinem Vater zu gratulieren statt mich Lichte unverdienter Ehrungen zu sonnen. Meine Mutter ist aber schon vor mehr als fünf Jahren gestorben. Ich lege nicht viel Wert auf Geburtstagsfeiern.

Jahrestage - welche Bedeutung haben sie?

Jahrestage - welche Bedeutung haben sie?


Im September vor 60 Jahren kam ich in die Schule. Dafür kann ich nun auch nicht viel, aber ich denke gern an die Schulzeit zurück. Auch jetzt noch, nach so vielen Jahren. Da ist es schön, mit den früheren Klassenkameraden zusammen zu hocken. Die gemeinsame Schulzeit spielt dabei auch eine Rolle, aber nur eine untergeordnete. Viel spannender ist, wie der einzelne jetzt seinen Platz im Leben gefunden hat. Bei unseren vergangenen Klassentreffen standen Fragen wie:

– Was machen deine Kinder
– Wie geht’s deiner Frau, deinem Mann etc.

im Vordergrund.

Vor fünfzehn Jahren im September hatte ich eine Darmkrebsoperation. Das war für mich und meine Familie ein einschneidendes Erlebnis, zumal ich infolge dieser OP Erwerbsminderungsrente bekam und ich vorzeitig Rentner wurde. Die Ereignisse aus dieser Zeit vor vierzehn Jahren verblassen bei mir wie ein altes Foto. Manches sehe ich zwar noch, als sei es gestern gewesen, aber das sind nur kleine Episoden am Rande, das ist Unwesentliches. Meine Frau meint zwar, der Tag der OP sei mein zweiter Geburtstag, mir wäre es aber lieber, nicht daran erinnert zu werden. Ich lebe doch hier und heute.

Noch einen Jahrestag habe ich im September. Vor zwölf Jahren im September konnte ich in einer Redaktion einer Heimatzeitung auf der Schwäbischen Alb einen Nebenjob antreten. Ich bearbeite da Bilder für den Druck. Mir gefällte es nach wie vor in der Redaktion. Ich glaube aber, es ist eher ungewöhnlich, so lange in einen „geringfügigen Beschäftigungsverhältnis“ zu arbeiten. Mit so einem Arbeitsvertrag hat man auch kaum Chancen auf eine Gehaltserhöhung. Ich arbeite seit zwölf Jahren für das gleiche Geld.
Wenn mir jemand von der Geschäftsleitung für diese Zeit die Hand drücken sollte, wäre ich stolz darauf. Ein Geschenk brauch ich nicht, die Anerkennung ist es, auf die ich stolz bin.

Welche Erfahrungen habt ihr mit Jahrestagen?

2 Kommentare

  1. Auf Gegenbesuch bin ich jetzt komplett in Deinem Blog versunken… Du hast eine sehr angenehme Art zu schreiben, ich habe Dein Blog jetzt mal direkt abonniert…

    Das Schöne am Ablegen von Jahrestagen ist auch, dass man – statt zu bestimmten Daten zu feiern – ganz zwanglos jederzeit feiern kann. Freuen wir uns doch einfach mal so zwischendurch über unseren Partner, zwölf Jahre Nebenjob oder eine andere Leistung ohne gleich einen normierten Feiertag draus zu machen… Dann kommen Aufmerksamkeiten auch wieder zwanglos und ungefiltert 🙂

    : D

    • Hallo Dirk,

      vielen Dank für den schnellen Gegenbesuch. -:)
      Wir sind 100%ig einer Meinung.
      Übrigens muss ich das Kompliment zurück geben.
      Deinen Blog zu lesen ist sehr angenehm. Man spürt richtig, wie schön es sein kann, „die Welt täglich einmal zu verbessern.“
      Liebe Grüße
      Frieder

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