17. September 2011 · Kommentieren · Kategorien: Bemerkungen · Tags:

Der Mann war auch nicht mehr der Jüngste. Im Alter ist nicht alles so wie früher. Da knackt es mal hier, da tut da etwas weh. Kurzum, er musste sich in der Ambulanz einer Klinik vorstellen.
Den Termin bekam er von heute auf morgen. Er besorgte sich noch die Überweisung vom Hausarzt und ging in die Ambulanz.

Schon beim Betreten der Räume war es im komisch zumute. Das, was sonst als Foyer bezeichnet wird, war offenbar zum Wartezimmer, besser gesagt zum Wartesaal umfunktioniert worden. Nach der Anmeldung forderte man ihn auf, in besagten Raum Platz zu nehmen. Zum Glück erwischte er einen bequemen Sessel. Andere saßen ausgesprochen hart.
Unser Patient, der er nun war, saß und wartete, wartete und saß. Der große Zeige der Uhr drehte Runde um Runde. Längst hatte die Sonne den Zenit überschritten.
Eine Mitarbeiterin der Klinik kam und wechselte die Zeitschriften aus. Eine nette Geste. Langsam wurde es dunkel. Das geschäftige Treiben des Pflegepersonals ließ auch nach.

Ambulanz

langsam wurde es finster


Das fahle Licht, das durch die Fenster des Saals drang, deutete darauf hin, dass der Mond längst aufgegangen war. Ein leises Schnarchen aus den Ecken des Raumes unterstrich die Vermutung, dass es nun Nacht war. Unser Mann war bei den Schläfern dabei.
Der Morgen graute, die Sonne kam hinterm Horizont hervor. Langsam kam wieder Leben in die Ambulanz. Von Ferne her hörte der Mann, dass sein Name aufgerufen wurde. Schlaftrunken stand er auf und ging in die Richtung des Rufes. Er betrat das Vorzimmer des Arztes. Die Dame hinterm Tresen verlangte die Überweisung. Sie schaute sich das Papier aufmerksam an. Dann sagte sie etwas schroff: „Die Überweisung, die ist ja vom letzten Quartal. Die gilt jetzt nicht mehr. Gehen Sie zu ihrem Hausarzt und besorgen Sie sich eine neue Überweisung!“

Vor Entsetzen riss er die Augen auf und …. da stand eine freundliche Sprechstundenhilfe vor ihm und fragte, ob er der Aufgerufene sei. Der Mann nickte, suchte die große Uhr und merkte, dass er soeben aus einem Albtraum erwacht war. Er hatte doch nur drei Stunden warten müssen, bis er dran kam und nicht die letzten Tage des Quartals.