Die Saalehorizontale

Das Wanderwegzeichen der Saalehorizontzale

Die Saalehorizontale zu laufen war schon lange mein Traum. Am 7. Mai bin ich nach Jena gefahren, um den Traum Wirklichkeit werden zu lassen.
Vornweg etwas zur Wanderung. Die Strecke beginnt in Jena-Lobeda nahe der Universitätsklinik, Erlanger Allee. Sie mißt etwa 70 Kilometer. Die Strecke berührt alle bekannten Aussichtspunkte der Saalestadt. Der Gesamtanstieg beträgt mehr als 2000 Meter. So gesehen kann „Horizontale“ keineswegs mit „Waagerechte“ vergleichen. Mein Schwager Siggi hat mich morgens zum Startpunkt gefahren und am Nachmittag am Tagesziel wieder abgeholt.
Genug geschwätzt, los gehts. Am 8. Mai pünktlich 9.00 Uhr habe ich in Lobeda meinen Rucksack aufgehuckt.

Start zur Wanderung in Lobeda

Natürlich gings es gleich bergan hinauf zur Lobdeburg.

Zur Lobdeburg geht es gleich bergan

Gleich nach der Treppe folgt ein Pfad über eine Wiese, der uns auf einen Feldweg führt. Vor mir ging eine ältere Frau diesen Pfad. Ich war etwas schneller als die Frau und holte sie bald ein. Ich grüßte und fragte sie, ob wir den gleichen Weg hätten. „Ja,“ antwortete sie, „wenn Sie mit mir in den Garten gehen.“ Mit Gartenarbeit hatte ich nicht viel im Sinn und sagte, dass mein Ziel nach der Lobdeburg der Fürstenbrunnen sei. Ich bekam gleich nette und gute Hinweise, wie der Brunnen am schnellsten und am einfachsten zu erreichen sei. So sind sie, sie Jenenser, liebenswert und hilfsbereit. Wir gingen eine Weile zusammen, bis mein Weg zur Lobdeburg abbog. Ich verabschiedete mich und ging meinen Weg, der mich jetzt am Vormittag bei aufsteigender Sonne ganz schön forderte.

Zunächst kam ich zur Lobdeburg. Das ist eine Burgruine in Lobeda Ost.

Die Lobdeburg ist eine Burgruine

Ich hatte noch ein Stück Weg vor mir und hielt mich deshalb nicht lange beim ersten Wegpunkt der Tour auf. Weiter ging es bergauf. Als ersten Halt hatte ich die Schönlinde gewählt. AUf einer großen Wiese umgeben von Wäldern stand dieser große Baum. Eine Bank am Weg lud zum Rasten ein.

Schönlinde

Nach der Rast ging es gleich viel besser. Der größte Anstieg des Tages war überwunden. Jetzt ging es hinab zum Fürstenbrunnen. Unterwegs sah ich diesen wunderschönen Ameisenhaufen.

Ein Ameisenhaufen am Wegrand

Der Fürstenbrunnen ist Quellgebiet im Pennikental. DEr Fürstenbrunnen ist ein beliebtes Ausflugsziel.

Der Fürstenbrunnen

Wenn ich schon mal am Fürstenbrunnen bin, dann muss ich hier auch eine kleine Pause einlegen. Schließlich hatte mir meine Schwägerin Gerda reichlich Vesper mitgegeben. Das kann ich ja nicht unberührt mit nach Hause bringen.
Am Rastplatz stehen zwei Tische mit je zwei Bänken. Der Platz ist schön schattig. Am Nachbartisch sitzen vier Radfahrer. Plötzlich kracht es. Mir zu Ehren war das bestimmt nicht. Von einer Buche war ein armdicker Ast abgebrochen, der mit Krachen auf den Weg stürzte, auf dem ich gerade gekommen war. Dieser kleine Zwischenfall konnte mich vom Weitergehen nicht abhalten.

Gar nicht weit zu gehen vom Fürstenbrunnen kommt man zur Kernberghorizontale.
Hier hat man immer wieder herrliche Aussichten auf Jena, wie hier zum Beispiel auf den Ortsteil Winzerla.

Aussicht auf Winzerla

Der Weg schlängelt sich nun über einige Kilometer immer am Hang entlang.

Immer an der Wand entlang

Mitunter ist der Weg mit Stahlseilen gesichert.

Wegsicherung mit Stahlseilen

Und immer wieder hat man einen grandiosen Ausblick auf Jena. Hier sieht man im Vordergrund die Kirche von Burgau, hinten der Ortsteil Winzerla mit der Kirche (vor den Plattenbauten). Am oberen Bildrand ist eine Gartenanlage zu erkennen. Dort bin ich gewandert auf dem Weg zum Cospoth Herbstwanderung in Jena.

Vorn die Kirche in Burgau, dahinter Winzerla.

An den Kernbergen gibt es nicht nur schöne Aussichten, auf der Saalehorizontale wird auch auf geologische Besonderheiten aufmerksam gemacht, wie hier an der „Diebeskrippe“.

Diebeskrippe


Diebeskrippe

Und weiter geht es an den Kernbergen entlang.

Der Weg immer noch an den Kernbergen

In der Mitte sieht man gut den Schleichersee.

Der Schleichersee

Jetzt kommt noch die Studentenrutsche.

Studentenrutsche

Studentenrutsche

Auf dem Bild sehen wir den Beginn der Studentenrutsche. Sie verläuft über den Wanderweg weiter nach unten und zeigt sich gewissermaßen als ein Geröllhang.

Unten im Talkessel liegt das Ernst-Abbé-Sportfeld. Hier spielt die Fußballmannschaft des FC Carl Zeiss Jena. Viele früher bekannte Sportler haben hier trainiert, u.a. die Sprinterin Renate Stecher, die Sprinterin und Weitspringerin Heike Drechsler, die Fußballer Roland und Peter Ducke u.v.a.m.

Enrst-Abbe-Sportfeld

Mitten in Jena ragt der Jentower auch Intershoptower genannt, in den Himmel. Von vielen Stellen der gesamten Saalehorizontale aus kann man den Turm sehen. Er entstand Ende der 60er / Anfang er 70er Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Ursprünglich sollte das Carl-Zeiss-Kominat diesen Turm nutzen. Das Bauwerk wurde aber der Friedrich-Schiller-Universität übergeben. Die Uni verließ 1995 den Turm. Heute wird er von der Intershop AG und anderen IT-Firmen genutzt.
Der Volksmund hatte ja schon immer treffende Bezeichnungen für das Bauwerk gefunden. Die oben genannten Bezeichnungen benutzen die Jenenser nicht. Bei ihnen ist es der Uniturm, die „Keksrolle“, mitunter hörte man früher auch „Bankrottesse“, „Schuldenstummel“ oder „Penis Jenensis“.

Keksrolle wird der Jentower im Volksmund genannt.

Nun verlassen wir den schmalen Weg mit den herrlichen Ausblicken auf Jena und gehen im Ziegenhainer Tal durch schöne Buchenwälder. Hier finden sich auch immer wieder Bäume, die in irgendeiner Art verwachsen sind. Interessant anzuschauen sind sie allemal.

Bäume

Nun lugt auch schon ab und zu mal der Fuchsturm von der gegenüberliegenden Seite des Tals durch die Bäume.

Fuchsturm

Auf dem Weg zum Fuchsturm wollte mich der GPS-Track geradewegs durch zwei Gärten führen. Naja, so etwas kann man ja manuell korrigieren. Zwei Frauen, die den Weg hier besser kannten als ich, fragten mich, wohin ich wolle. „Zum Fuchsturm.“, gab ich Auskunft. „Da können Sie gleich mit uns kommen. Und dann geht es steil bergauf.“ „Und wohin gehen Sie?“, fragte ich. „Wir gehen dann nach Ziegenhain“, entgegneten die Beiden. Ich bedankte mich für die Hilfe und lehnte den Weg aber ab. Mir war ein Weg ohne große Steigung zum Fuchsturm eingefallen. Den wählte ich.
Dann endlich bin ich am Fuchsturm.

Der Fuchsturm

Im Biergarten gönne ich mir eine Erfrischung. Das habe ich auch gebraucht.

Jena – vom Fuchsturm aus gesehen

Lange hielt ich mich aber nicht auf, ich wollte noch bis nach Wogau gehen. Die Wälder spendeten die nötige Kühle für diesen Tag.
Unterwegs fallen mir immer wieder außergewöhnliche Bäume auf, wie zum Beispiel dieser, der sich mit mächtigen Wuzeln am Hang hält.

Mächtige Wurzeln halten den Baum

Auf der anderen Seite des Gembdentales zeigte sich schon der Jenzig. Das wird meine erste Aufgabe für den kommenden Tag, für die Himmelfahrt. Irgendwie passt das alles gut zusammen. Bei der Himmelfahrt geht’s nach oben, um auf den Jenzig zu kommen, muss man nach oben gehen.

Der Jenzig, dahin geht es morgen zuerst.

Doch zunächst muss ich bis nach Wogau gehen.

Rapsfeld nahe Jenaprießnitz

Die Rapsfelder haben ihren unverkennbaren Duft. Jeanprießnitz streife ich nur am Dorfrand, bevor ich wieder im Wald verschwinde.

Jenaprießnitz

Ich muss noch an einer Pferdekoppel vorbei

Pferdekoppel

und kann eine große Löwenzahnwiese bewundern.
Mitten auf dieser Wiese haben sich doch tatsächlich zehn Gänseblümchen verirrt.

Gänseblümchen

Endlich habe ich es geschafft. Am Gasthof „Deutsche Eiche“

Die „Deutsche Eiche“ in Wogau.

erwarte ich meinen Schwager, der mich zurück bringt zu meinem Wanderquartier.
Die Dusche tut Wunder. Noch ein bissel die Füsse vertreten und dann ein Thüringer Rostbrätl zum Abendbrot.

Als Belohnung gab’s ein Thüringer Rostbrätl.

Wie soll ich kurz den ersten Tag meiner Wanderung auf der Saalehorizontale beschreiben?
Der Tag war ganz toll. Vor allem war es ganz beonderes Erlebnis, kilometerweit „immer an der Wand entlang“, am Hang der Kernberge, zu gehen.

Mal sehen, was ich an Himmelfahrt erlebe.