Die Saalehorizontale

Heute ist Himmelfahrt. Ich möchte heute den zweiten Teil der Saalehorizontale gehen. Start ist in Wogau am Gasthof „Deutsche Eiche“, da, wo ich gestern die Wanderetappe beendete.
Am Gasthaus war vermerkt, dass der Rost bereits 8 Uhr brennen soll. Ach ja, zum Himmelfahrtstag wird ja ganztägig gefeiert. Das darf sich kein Gastronom entgehen lassen. Ich vermute, dass ich heute einige Wandergruppen mit Bollerwagen und reichlich Bier darin treffen werde. „Es ist bei uns so Sitte ….“

Um sieben Uhr stehe ich auf. Ein Blick aus dem Fenster zeigt, es nieselt. Mir soll es recht sein. Ein bissel Kühlung von oben ist mir lieber als gleich am Morgen den Heizstrahler von oben zu haben.

Um neun Uhr war Siggi mit mir in Wogau an der „Eiche“. Tatsächlich, auf dem Parkplatz der „Eiche“ qualmte schon der Grillrost. Der Niesel tröpfelte ganz leicht hernieder. Es war sehr angenehm, so zu gehen. Weniger angenehm war, dass der Weg steil bergauf aufgeweicht und damit auch rutschig war. Ich mußte ganz schön aufpassen, dass mein Gang nicht im Takt „zwei Schritte vorwärts, ein Schritt zurück“ verlief. Alles Gute ist eben nie beisammen.

Langsam gewann ich an Höhe. Ein Blick zurück zeigte mit unterwegs den Weg, den ich gestern gelaufen bin. Ich kam den Feldweg von rechts, überquerte das Rapsfeld und ging bei den Häusern oben wieder in den Wald.

Wogau

Oben auf dem Bergrücken des Jenzig führte der Weg fast ohne Auf und Ab in Richtung Jenzighaus. Es war schön zu laufen. Dann trat ich aus dem Wald und kam zu einer Bank, von der aus man trotz Nieselregen ins Gembdental schauen konnte.

Auf dem Jenzig

Jetzt verabschiedet sich auch der Fuchsturm. Mir scheint, der Nieselregen läßt ihn ein bissel traurig aussehen.

Der Fuchsturm verabschiedet sich.

Auf der Bank sitzen war nicht möglich, da hätte ich gleich einen großen Fleck an der Hose gehabt. Ab und zu überholten mich Radfahrer. Auf einem Rastplatz in der Nähe des Jenzighauses machte ich Halt. Die Bänke waren überdacht. Nebenan rasteten Radfahrer. Mein Gott, man glaubt es kaum, wohin heutzutage die Radfahrer fahren. Gestern hatten mich Biker sogar auf dem schmalen Teil des Weges an den Kernbergen überholt. Ich hatte mich an die Bergseite gequetscht und die fuhren dann vorbei. Sachen gibt’s, die gibt’s gar nicht.

So langsam hörte es auf zu nieseln. Die Sonne zögerte noch. Auf dem Weg nach Laasan hatte ich wieder schöne Aussichten, Aussichten, die jedem Autofahrer verborgen bleiben.

Kunitz

Die Kirche von Kunitz zeigt sich im Tal.

Jetzt habe ich Laasan erreicht. Das ist ein kleiner Ort im Hufeisen, einer hufeisenförmigen Bergkette. Nach Laasan führt eine einzige Straße. Früher war Laaasan mal selbständig. Jetzt gehört es zu Kunitz. Und Kunitz selbst wurde vor fast zwanzig Jahren nach Jena eingemeindet.

Laasan, eine kleine Gemeinde, jetzt Ortsteil von Jena

Laasan

Am Gegenhang üben Gleitschirmflieger.

Gleitschirmflieger üben am Hang

Immer wieder beeindrucken mich die duftenden Rapsfelder und die Ausblicke ins Tal. Manchmal komme ich mir vor wie im Film. Aber es ist die Wirklichkeit, ich merke es, wenn es wieder steil bergan geht.

Der Weg zur Kunitzburg

Noch um diese kleine Kurve, dann noch hundert Meter und dann …. dann ist die Steigung moderat. Wenn man einmal auf dem Bergrücken ist, kommt man gut voran. Die Sonne gibt jetzt volle Pulle, aber die Bäume spenden genügend Schatten, so dass das Wandern Freude bereitet.
Wenn ich mich noch einmal umschauen, sehen ich Laasan. Ein schöner kleiner Ort.

Ein Blick zurück auf Laasan

Im Zentrum Jenas erkenne ich wieder die „Keksrolle“.

Keksrolle

Ich wandere auf die Burgruine Kunitzburg zu und erkenne unten das Dorf Kunitz. Die Kirche habe ich vorher schon einmal gesehen. Als ich vom Jenzig aus in Richtung Laasan gelaufen bin, war an einer Stelle der Blick auf Kunitz mit seiner Kirche frei.

Kunitz, die Kirche hatte ich schon mal gesehen

Jetzt begann der eigentlich schwierige Teil des Weges. Der Abstieg nach Beutnitz ist steil, der Weg dick mit Laub bedeckt. Ich muss höllisch aufpassen, dass ich nicht stürze. Später ist kein Laub mehr da, dafür aber knöcheltiefer Morast. An den Wegränden, die oft von den Wanderen zu einem begehbaren Pfad ausgetreten sind, ist das Gehen auch fast unmöglich. Es hilft nur, Augen zu und durch, durch den Schlamm.

Matschweg

Nach der Passage dieses schwierigen Teils des Weges verläuft die Saalehorizontale auf einem gut begehbaren Feldweg. Schnell habe ich dann Beutnitz erreicht. Beutnitz ist ein kleiner Ortsteil der Gemeinde Golmsdorf, Golmsdorf liegt im Saal-Holzland-Kreis. Ich habe in Beutnitz diese Etappe beendet. Noch bis nach Tautenburg zu gehen war mir zu weit. Zwischendurch gibt es aber keine Möglichkeit, wo mich mein Schwager mit dem Auto hätte abholen können.

Beutnitz

Dieser kleine Fleck liegt mitten in Beutnitz. An einer Mauer eines Bauernhofes steht ein kleine Bank. Die war mir gerade recht, die Wartezeit auf Siggi hier zu verbringen. Kaum hatte ich mich gesetzt, ging die Hoftür des Bauernhofes auf. Erst kam en großer schwarzer Hund und kurz darauf eine alte Frau. Sie setzte sich neben mich, ermahnte den Hund, der an mir schnuffelte, und fragte mich: „Wo komm‘ Se denn her?“ Ich antwortete, dass ich am Morgen in Wogau losgelaufen bin. „Un, wo wolln Se hin?“ war die nächste Frage. Ich sagte, dass ich nach Tautenburg gehen möchte und dass ich erst am nächsten Tag gehen will. „Nach Tautenburch, da gehn Se am besten hier nunter und dann …“ Ich unterbrach sie und sagte, dass ich den Weg kenne. Jetzt erfuhr ich, dass sie als junges Mädchen oft durch den Wald nach Tautenburg gegangen ist. Sie wollte noch wissen, wie ich von Beutnitz nach Jena komme. Auch das erklärte ich ihr. Zwischendurch mußte sie immer wieder ihren Hund rufen, der die Freiheit nutzte und im nahen Bach ein Bad genommen hatte. „Flint, komm her!“ rief sie noch einmal und ergänzte, „Der geht den Wech nunter un räubert im Pfarrer sein Garten.“

Jetzt begann es wieder zu regnen. Da stand die Frau vonvder Bank auf, rief ihren Hund und sagte „Auf Wiedersehen! Iech muss itze ins Haus fernsehen.“ Und weg war sie.

Schön, dachte ich, eine schöne Begegnung.
Am nächsten Tag brachte mich Siggi bis nach Beutnitz. Ein alter Mann mit einer Arbeitsjacke stand mitten auf der Straße. Da die Straßen dort eng sind, sagte ich, einen Moment, das Auto fährt gleich weiter. Und schon wurde ich wieder gefragt nach dem Woher und Wohin. Ich sagte, dass ich zwar hier fremd sei, aber doch schon zwei Einwohner von Beutnitz kenne. Da wollte der Mann wissen, wen ich kenne. Ich sagte, „Na Sie. Und da drüben in dem Hof wohnt eine Frau, die kenne ich auch.“ Er stutzte und fragte: „War’s ne alte oder ne gunge Fraa?“ Ich sagte, dass es die alte gewesen sei. „Och, des is de Hulda. Die is eweng neigierig.“

Nun wußte ich, dass ich mich gestern mit der Hulda unterhalten hatte.

Noch einmal zum Herrentag. Unterwegs traf ich hin und wieder ein paar lustige Gesellen mit einem Bollerwagen. Oft waren aber Familien mit ihren Kindern unterwegs und nutzen das schöne Wetter. Manchmal drangen auch laute Lieder an meine Ohren. Aber alles hielt sich in Grenzen.

Saalebrücke bei Kunitz

4 Kommentare

  1. Diese Ausblicke sind ja bezaubernd mit dem Raps darin. Eine sehr schöne Strecke hast du dir gesucht. Ich bin gespannt wie es weiter geht.
    Viele liebe Grüße aus Leverkusen
    Elke

    • Hallo liebe Elke,
      die Saalehorizontale ist sehr schön und sie sehr abwechslungsreich. Der Raps hat geduftet … einfach ganz toll, fast betörend.
      Ich bemühe mich, meinen dritten Tagesabschnitt so bald als möglich hier einzustellen.

      Viele liebe Grüße
      von Frieder

  2. Lieber Frieder,
    jetzt habe ich hinten angefangen, aber das macht sicher nichts. Bin begeistert von deinen schönen Fotos. Die kleinen Ortschaften zwischen den Hügeln, die Rapsfelder, wunderschön. Da hast du dir eine schöne Zeit ausgesucht für deine Tour. Hat Spaß gemacht zu lesen, die Hulda hatte ich vor Augen und ich hab ihren Dialekt mit gehört. 😀
    Jetzt lese ich mal den anderen Tag.
    Ganz liebe Grüße an dich
    von Katrin

    • Hallo liebe Katrin,
      der nasse und rutschige Weg auf den Jenzig hat mich ganz schön gefordert. Aber wie das so ist, wenn man einmal oben ist, dann sind die Anstrengungen vergessen.
      Mein I-Tüpfelchen an diesem Tag war Hulda. Diese Frau war einfach großartig.
      Ich muss auch resümieren, ich habe wieder jeden Tag nette Menschen getroffen. Und wenn es auch nur ein paar nette Worte waren. Ich glaube, auch diese Episoden machen das Wandern für mich so unentbehrlich.
      Viele liebe Grüße
      von Frieder

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