Die Saalehorizontale

Es ist heute der Tag nach der Himmelfahrt. Ich sitze wieder pünktlich um 7 Uhr am Frühstückstisch. Wie immer wagen wir eine Wetterprognose. Zur Zeit nieselt es wieder. Ich bin zuversichtlich, dass es heute wieder ein schöner Wandertag werden wird.
Siggi fährt mich nach dem Essen, zu dem auch ein kleiner Schwatz gehört, nach Beutnitz.
Den Beginn der heutigen Wanderung kennt ihr ja bereits von Beitrag „Hulda“. Ich wiederhole schnell:
„Ein alter Mann mit einer Arbeitsjacke stand mitten auf der Straße. Da die Straßen dort eng sind, sagte ich, einen Moment, das Auto fährt gleich weiter. Und schon wurde ich wieder gefragt nach dem Woher und Wohin. Ich sagte, dass ich zwar hier fremd sei, aber doch schon zwei Einwohner von Beutnitz kenne. Da wollte der Mann wissen, wen ich kenne. Ich sagte, „Na Sie. Und da drüben in dem Hof wohnt eine Frau, die kenne ich auch.“ Er stutzte und fragte: „War’s ne alte oder ne gunge Fraa?“ Ich sagte, dass es die alte gewesen sei. „Och, des is de Hulda. Die is eweng neigierig.“

Nun wußte ich, dass ich mich gestern mit der Hulda unterhalten hatte.“

Beutnitz

Ich ging nun wieder dem Wanderwegzeichen nach. Immer schön bergan, das kenne ich doch von gestern und vorgestern 🙂 .
Ein Blick zurück muss sein. Ich muss doch wissen, wie das Dorf heute aussieht, in dem ich gestern meine Etappe beendet habe.

Ein Blick zurück

Später führte der Weg am Hang entlang bis auf die Höhe der Ortschaft Löberschütz. Eine leuchtende Blume erweckt meine Aufmerksamkeit.

Blumen am Wegesrand

Jetzt traut sich auch die Sonne zaghaft hervor. Noch muss sie gegen die Wolken kämpfen. Sie wird aber die Oberhand behalten.

Die Sonne kommt langsam hervor

Auch wenn das Gras nass ist, der Weg läßt sich schön gehen.

Der Weg ist noch nass.

Am Zietschgrund vorbei geht es nun bergauf. Zunächst kann ich auf einem Feldweg bleiben. Später überquere ich eine Wiese und dann … dann muss ich im Wald steil nach oben steigen. Der Pfad ist dick mit Buchenlaub bedeckt. Der Nieselregen hat den Aufstieg sehr schwer werden lassen.

Der Pfad im Buchenwald führt steil nach oben.

Endlich habe ich es geschafft. Jetzt kann ich wieder entspannt ausschreiten. Ich komme schnell voran. Meine Freude währt aber nicht lange. Der Wanderweg mündet in einen Fahrweg. Und der Fahrweg ist im wahrsten Sinne des Wortes „zerfahren“. Man kann nur nach dem Motto „Augen zu und durch“ gehen.

Matsch, soweit das Auge blicken kann.

Das war sehr beschwerlich, denn dieser Weg schien kein Ende zu nehmen.
Endlich kam ich auf einen „anständigen“ Weg. Vorbei am Gelände des „Karl-Schwarzschild-Observatoriums“ kam ich in den Vogelgrund.

Der Vogelgrund

Ich hatte nun das erste Ziel des heutigen Tages, Tautenburg, vor Augen. Es dauerte auch gar nicht mehr lang, da konnte ich die Ruine sehen.

Tautenburg habe ich erreicht

Auf dem Weg ins Dorf sah ich in einem Garten diese Rehe. Was soll man sagen, in Gefangenschaft gehaltene Rehe sind doch eigentlich kein Wild mehr, oder? Wie dem auch sei, ich hatte den Eindruck, diesen Tieren ging es gut.

Rehe in einem Garten

Hier die Burgruine noch aus einem anderen Blickwinkel.

Die Burgruine in Tautenburg

Ein wenige weiter konnte ich die schmucke Kirche sehen.

Die Kirche in Tautenburg

In der Dorfmitte, sozusagen am Anger, steht diese Linde. Ein Schild erklärt, dass dieser Baum über 500 Jahre alt ist. (kleines Bild) Man muss sich mal überlegen, was diese Linde schon alles erlebt hat. Napoleon ging vorüber, vielleicht sogar im wahrsten Sinnes des Wortes, Goethe und Schiller könnten den Baum berührt haben … Diesen Gedanken kann jeder für sich weiter spinnen.

Die Dorflinde ist über 500 Jahre alt

Nachdem ich Tautenburg verlassen hatte ging es zunächst wieder bergauf. Inzwischen war ich auf diese Steigungen vorbereitet. Mit dem richtigen Wandertempo kommt man gut hinauf.
Ich geh so vor mich hin, da stand ein Kinderwagen mitten im Wald. Aus dem Gebüsch hörte ich Stimmen. Nanu, dachte ich, was ist denn hier los? Ich ging weiter, da sah ich eine ältere Frau, zwei jüngere Frauen und zwei Mädchen, die sicherlich noch nicht zur Schule gingen.

Ein Kinderwagen im Wald

So eine Situation muss ich doch nutzen. Deshalb fragte ich die Älteste, was sie hier suchen, Pilze vielleicht?
„Ja“, sagte die Frau, „wir sammeln Pilze“. „Welche?“ wollte ich wissen. „Maipilze, die gibt es hier in großen Mengen.“ Eines der Mädchen hörte ich fragen, ob das ein „Guter“ sei.
Die ältere Frau erklärte mir, dass sie mit der Tochter, der Enkelin und den Urenkeln hier schon immer Pilze sucht. „Wir kennen hier unsere Stellen.“ Und ganz früher, da hat ihr Mann die Tochter, als sie noch klein war, die, die den Pops zu uns streckt, in den Rucksack gesteckt und sei mit ihr in den Wald gegangen zum Pilze suchen.
Diese Begegnung hat mich gefreut, ich suche doch auch gerne Pilze. Hier konnte ich mal in die Rolle eines Unbedarften schlüpfen. Das hat mir Spaß gemacht.

Die Bäume spendeten hier oben Schatten, denn die Sonne hatte wieder das Zepter übernommen. Ich kam jetzt gut voran. Nachdem ich eine große Wiese hinter mir gelassen hatte,

Der Weg ist richtig romantisch.

erreichte ich bald die „Hohe Lehde“, ein Naturschutzgebiet.

Der „Serastein“, der höchste Punkt dieser Etappe, lädt ein zu rasten. Von einer Bank aus hat man eine hervorragende Sicht auf die Dornburger Schlösser und das Saaletal.

Die Dornburger Schlösser

Im Saaletal rollte ein Zug vorüber.

Auf dem Weg nach Dorndorf sah ich noch diese kräftigen Pilze.

Plize an einem Baum

Es ist erstaunlich, was die Natur alles schaffen kann.

Und noch einmal kann man sich die Dornburger Schlösser ansehen.

Dornburger Schlösser

In Dorndorf gehe ich über die Carl-Alexander-Brücke, um auf die andere Seite der Saale zu kommen.

Die Carl-Alexander-Brücke in Dorndorf

Gleich nach der Brücke stehe ich an der Bahnschranke, ein Zug kam kurz danach. Für Fußgänger gibt es da eine Unterführung, Autos müssen eben warten. Kurz nach der Schranke führt der Wanderweg hoch zu den Dornburger Schlössern.
Die Dornburger Schlösser sind drei Schlösser, die auf dem Berg hoch über dem Saaletal stehen. Zu den Schlössern gehören gut gepflegte Gärten. Allein die Gärten sind einen Besuch wert. Goethe bewohnte auch einmal in einem der Schlösser.

Dieses Bild hier weist auch auf diesen Umstand hin.

Goethe in den Dornburger Schlössern

Zunächst muss ich aber erst mal von Dorndorf nach Dornburg kommen.
Ausgangs des Weges ist dieser Brunnen zu sehen.

Ein Brunnen in Dorndorf

Da, wo die letzten Häuser stehen, putzte ein Mann im gesetzten Alter sein Motorrad. „Alles neu macht der Mai.“ rief ich ihm zu. „Ein bissel muss man auch selbst Hand anlegen.“ antwortete er mir.

In Dornburg angekommen überquere ich zunächst den neu gestalteten Markt,

Der Markt in Dornburg

um dann nach wenigen Schritten zu den Schlössern zu kommen.

Die Gärten sind ganzjährig geöffnet. Ich war erstaunt, wie viele Leute den Tag zu einem Besuch in Dornburg nutzen. Obwohl, es ist zu bedenken, dass dieser Freitag ein sogenannter Brückentag war.

Gartenanlage der Dornburger Schlösser

Gartenanlage der Dornburger Schlösser

Gartenanlage der Dornburger Schlösser


Es wir gar nicht mehr lange dauern und in den Gärten stehen die Rosen in voller Blüte. Das ist ein Duft und ein wunderbares Bild. Früher konnte man da viel mehr als einen Film verknipsen, heute verwenden wir ja eine Digitalkamera, die einen wesentlich größeren Speichplatz hat.

Nicht unerwähnt lassen will ich, dass man von den Schlössern einen tollen Ausblick in das Saaletal hat.

Das Saaletal bie Dornburg

Nachdem ich die Schlösser verlassen hatte, ging ich an einer Kleingartenanlage vorbei. Das Zicklein hier am Zaun war von mir unbeeindruckt.

Das Zicklein ist unerschrocken

Als ich weiter ging, bemerkte ich auf dem Feld einen Hasen. Er suchte in aller Ruhe nach Futter. Und als er genug hatte, hoppelte er in aller Seelenruhe weiter.

Ein Hase hoppelt langsam davon

Der Weg lag im Schatten.

Die Bäume spenden Schatten

Dann mußte ich leicht bergab gehen. Ich kam zu einem Aussichtspunkt mit dem Namen Bugschädel.

Aussichtspunkt „Burgschädel“

Hinter der Bank war ein Wanderstock eingeklemmt. Vermutlich war er vom gestrigen Himmelfahrtstag übrig geblieben. Ich ging näher und betrachte den Stock. Da stand fein in die Rinde geschnitten auf der einen Seite der Spruch: „Mehr laufen“ und auf der anderen Seite „Statt saufen“. Ich konnte doch diese schöne Fundstück nicht einfach stehen lassen. Selbst der kühnste Himmelfahrer hätte spätestens am nächsten Tag nachmittags seinen Stock doch abholen müssen. Hat er aber nicht. So hat das gute Stück ein neues Zuhause gefunden.
Die Bank hat zum Verweilen eingeladen, aber ich mußte doch zu Siggi gehen. Ich bin also ohne Rast auf dem „Schädel“ weiter gelaufen. Und das war auch gut so.
Jetzt hatte ich nur noch einen oder zwei Kilometer vor mir. Ich hatte mit Siggi ausgemacht, dass er mich in Neuengönna abholt. Als ich nach Neungönna kam, war Siggi gerade angekommen.

Stock

Hier habe ich die beiden Seiten des Wanderstockes noch einmal etwas größer dargestellt. Gell, es ist wirklich ein schönes Stück.

Wanderstock

Ich hatte drei schöne Wandertage auf der Saalehorizontale erlebt. Aber ich hätte noch einen Tag gebraucht, um die Runde zu vollenden. Das werde ich ein anderes Mal erledigen. Die restlichen Kilometer versprechen einen Besuch auf geschichtsträchtigem Gebiet. Die Schlacht von Jena/Auerstedt, als Napoleon die preußisch-sächsischen Truppen besiegte, fand hier statt.
Am Samstag muss ich meine Zelte in Jena abbrechen. Schön war’s.

Der GPS-Track ist hier zu finden Saalehorizontale

Näheres zum Wanderweg kann man hier nachlesen.

Und noch mal vielen Dank an meinen Schwager Siegfried und an meine Schwägerin Gerda, die mich stets gut versorgten.