Schon im vergangenen Jahr hatte ich mir vorgenommen, wieder einmal den Schwarzwald zu durchwandern. Den Westweg bin ich bislang zweimal komplett gelaufen. Nun wollte ich den zweiten großen Fernwanderweg im Schwarzwald, den Mittelweg, gehen.

Ich hatte mir folgende Etappen ausgedacht:

Birkenfeld (Enz) – Bad Wildbad
Bad Wildbad – Besenfeld
Besenfeld – Zwieselberg
Zwieselberg – Schiltach (weiter mit der Bahn nach Haslach und zu Fuß nach Mühlenbach)
Mühlenbach – Versperstüble Silberberg (Schonach)
Vesperstüble. Silberberg – Kalte Herberge
Kalte Herberge – Lenzkirch
Lenzkirch – Amrigschwand (O von Höchenschwand)
Amrigschwand – Waldshut

Am 15. April fuhr ich mit der Bahn 4:40 Uhr in Ulm los. Kurz vor sieben Uhr war ich in Birkenfeld.

Nun musste ich nur noch den Zugang zum Mittelweg suchen. Aber das war nicht schwer. Bei Büchenbronn hatte ich den Mittelweg erreicht. Ich hatte mir den Weg durch die Stadt gespart und konnte gleich bei Birkenfeld in den Wald eintauchen.

Auf der Büchenbronner Höhe, hier ist auch ein Aussichtsturm, legte ich meine erste Rast ein.

Aussichtsturm aud der Büchenbronner Höhe

Von der Büchenbronner Höhe führte mich der Weg über Engelbrand, Langenbrand und Calmbach nach Bad Wildbad.

Engelbrand

In Engelbrand bemerkte ich, dass vergessen hatte, Taschentücher einzupacken. Ich ging in eine Apotheke und sagte, nachdem ich gegrüßt hatte: „Wie sie sehen, bin ich unterwegs. Zu Hause hatte meine Frau noch kontrolliert, ob der Rucksack ordentlich gepackt ist. Und jetzt bemerke ich, dass ich die Taschentücher vergaß.“

Die drei Frauen lachten herzlich. Von jeder bekam ich ein Päckchen Taschentücher. Ich bedankte mich reht herzlich und verabschiedete mich.

Langenbrand und Calmbach

In Bad Wildbad hatte ich in einem kleinen Hotel, das nahe an der Sommerbergbahn liegt, meine Übernachtung gebucht. Das Zimmer war spartanisch eingerichtet, aber ich wollte ja auch nur da übernachten.

Bad Wildbad

In Bad Wildbad war ich mit Irene und Emil verabredet. Die Beiden kenne ich aus einem Internetforum schon einige Jahre. Nun ergab sich die Gelegenheit miteinander zu quatschen. Das haben wir auch reichlich genutzt.
Am Abend wollte ich noch fernsehen. Das habe ich aber nicht mehr geschafft.

Am zweiten Tag meiner Wanderung hatte ich geplant. zeitig loszugehen, schließlich lagen 30 Kilometer vor mir. Es hat auch alles geklappt. Ich erwischte die erste Sommerbergbahn, die an diesem Tag nach oben fuhr. Das ersparte mir etwa 300 Höhenmeter. Ich war der einzige Fahrgast, der um diese Zeit nach oben wollte. 🙂

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Die Ausschilderung der Wanderwege auf dem Sommerberg ist gut. Der Weg führt zuerst zu den „5 Bäumen“. Hier stehen mehr als fünf Bäume. Man findet hier einen Spielplatz, eine Hütte und drumherum einen ganzen Wald. Weiter geht’s zu „Grünhütte“, Gelegenheit zu rasten.

Das nächste Ziel ist der Hohlohturm, auch „Kaiser-Wilhelm-Turm“ genannt. Auf dem Weg zum Hohlohturm kommt an an diesem schönen Aussichtspunkt, der „Jägerschaukel“, vorbei.

Jägerschaukel

Nachdem Kaltenbronn hinter uns liegt, muss man zum Hohlohsee hochsteigen. Der Hohlohsee (ein Hochmoor) und seine Umgebung sind Naturschutzgebiet.

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Hier oben auf dem Hohloh trifft der Mittelweg auch den Westweg und geht mit diesen gemeinsam bis zur Prinzenhütte. Der Westweg wendet sich nach rechts, um nach Forbach abzusteigen, der Mittelweg jedoch hat noch einige Kilometer vor sich, bis er Besenfeld erreicht. Der Forstweg geht so schön geradeaus, so dass ich meinen Gedanken nachhängen konnte. Allerdings verpasste ich die Stelle, an der ich halbrechts auf einen schmalen Pfad abbiegen musst. Nach etwa 500 Metern bemerkte ich meinen Irrtum. Was blieb mir übrig? Ich musst die Strecke zurück gehen. Na gut. Auf den Kilometer kam es auch nicht mehr an. Der schmale Pfad war übersät von Wurzeln. Waren gerade mal keine Wurzeln da, erschwerten kleine und große Steine das Gehen. Etwa fünf Kilometer war dieser Pfad lang. Als ich diesen Wegabschnitt verließ, standen mir noch etwa 10 Kilometer Forstweg bevor.
Schließlich kam ich aber wohlbehalten in Besenfeld an.

Besenfeld, hier logierte ich in einer Ferienwohnung.

In einer Bäckerei stärkte ich mich. Meine Frage nach der Penions „Waldblick“ konnte die Verkäuferin nicht beantworten. Aber ein Kunde, der kurz vor Ladenschluss auch noch ein paar Brötchen holen wollte, wusste bestens Bescheid.
So kam ich glücklich, zufrieden und müde in Besenfeld an.
Ich hatte eine Ferienwohnung für meine Übernachtung bekommen. Den großen Fernsehapparat, der in der Fewo war, konnte ich nicht nutzen. Ich war doch sooo müde. Am anderen Morgen bin ich gut ausgeruht aufgewacht. Nach einem Frühstück beim Bäcker konnte ich meinen Weg fortsetzen. Mein Ziel: Freudenstadt, Ortsteil Zwieselberg.

Von Besenfeld nach Freudenstadt sind es etwa 19 Kilometer. Große Steigungen sind nicht zu bewältigen. Aber da kommt ja noch der Appendix, die kleine Zugabe nach Zwieselberg. Dieser Streckenabschnitt, vor allem davon der letzte Teil, erfordert noch einmal Kraft.

Nachdem ich Besenfeld verlassen hatte musste ich noch etwa einen Kilometer neben der Strasse gehen, bevor ich wieder in den Wald eintauchen konnte. Ich war zeitig los gelaufen, so war die morgendliche Kühle sehr angenehm.
Die „Ruine Königswart“ wollte ich unbedingt sehen. Wer weiß, ob ich jemals wieder hier vorbei komme. Man muss nur wenige Meter vom Wanderweg abweichen, um den Grundriss der Ruine zu sehen. Hier soll der Pfalzgraf Rudolf von Tübingen 1209 eine Kapelle gebaut haben. Eine Burg kann hier keineswegs gestanden haben.

Ruine Königswart

Die weitere Strecke nach Freudenstadt birgt keine großen Schwierigkeiten.
In Freudenstadt war ich ja schon öfters. Daher war mir diese Stadt nicht fremd.

Freudenstadt, die heimliche Hauptstadt des Schwarzwaldes

Ich wusste auch, wo es etwas zu beißen gibt. Ich konnte mir Zeit lassen, denn ich war ja schon zur Mittagszeit in der Stadt. Ich schlenderte durch den Ort, guckte Schaufenster an und machte mich schließlich auf nach Zwieselberg.
Der letzte Anstieg war noch einmal ganz schön happig.

Zwieselberg – Ortsteil von Freudenstadt

Aber es hat sich gelohnt, hier hoch zu steigen. Zwieselberg ist ein ganz kleiner Ort. Das letzte Hotel hatte im Januar geschlossen. So vermieten nur noch zwei Pensionen. Schade, denn hier kann man wirklich Ruhe finden. Hier fahren nur wenige Autos, LKW sind überhaupt nicht zu sehen. Die Ruhe hier ist geradezu himmlisch. Wer allerdings Urlaub macht, um etwas zu erleben, der muss dann schon wieder mit dem Auto fahren. Wer aber den Wald liebt und gern wandert, der hat hier ein kleines Paradies gefunden.

Zwieselberg – Kirche

Das Zimmer im Haus „Gerlinde“ war klein, aber ich wollte hier nur übernachten.

Am nächsten Morgen wartete auf mich die Etappe Zwieselberg – Schiltach.

Nur wenige Meter vom Quartier entfernt verschwindet der Weg wieder im Wald. Nachdem ich auf den ersten drei Etappen bei Sonnenschein und angenehmen Temperaturen wandern konnte, lief ich auf der vierten Etappe in den Regen hinein. Was soll’s. Ich zog den Regenschutz über meinen Rucksack und ab in den Wald. Nach Aussichtspunkten und längeren Aufenthalten war mir nicht zumute. Mein Weg an diesem Tag war ja in Schiltach nicht zu Ende.
Mitunter riss mal der Himmel auf. Dann konnte man den Wald so sehen wie hier auf diesem Bild.

Waldweg zwischen Zwieselberg und Schiltach

Am Schmidsberger Platz, hier kommen mehrere Wanderwege zusammen, konnte ich partout den weiteren Verlauf des Mittelweges nicht finden. Der Hansjacobweg war ausgezeichnet, aber vom Mittelweg war nichts zu sehen. Das Garmin führte mich quer erst durch den Wald, später auf einem schmalen Pfad und erst nach einiger Zeit wieder auf den ausgeschilderten Mittelweg. Ich musste aber nicht oft nach den Wegschildern suchen. Man kann schon sagen, dass der Mittelweg ordentlich ausgeschildert ist.

Wegschilder

Das letzte Stück bis nach Schiltach ist ein recht steiler Abstieg, den ich aber problemlos bewältigte.
Bis zum Haltepunkt der Bahn war es nicht mehr weit. Ich musste keine halbe Stunde auf den Zug warten.
Mit der Bahn fuhr ich im Kinzigtal bis nach Haslach. Hier benutzte ich eine alte Variante des Westwegs, die vom Brandenkopf über die Nillhöfe nach Haslach führt. Von da aus kommt man über Mühlenbach zum Büchereck und wieder auf dem Weg, der von Hausach über den Farrenkopf kommt, der heutigen Variante des Westweges.
Ich wanderte, nun ohne Regenwetter, von Haslach nach Mühlenbach. Im Bärental hatte ich eine Übernachtung auf dem Steffeshof gebucht.
Ich wählte diese Varianten über Haslach – Mühlenbach – Schonach zur Kalten Herberge, weil ich mir Übernachtungen in Schiltach und St. Georgen von mehr als 50 oder 60 Euro nicht leisten konnte.

Die Frau Heizmann vom Steffeshof bot mir an, mich am nächsten Tag bis zu den Büchern zu fahren. Damit konnte ich etwa 300 Höhenmeter bequem im Auto überwinden. Ich kenne doch den Scharfrichter dieser Westwegetappe, den 964 Meter hohen Karlstein. Gern nahm ich deshalb das Angebot an.

Nach einem reichhaltigen Frühstück, das mir Oma Heizmann servierte, brachte mich Herr Heizmann bis zum Landwassereck.
Von hier aus kommt man ganz bequem zum Huberfelsen. Es begann wieder zu regnen. Dieser feine, aber dichte Nieselregen ist doch unangenehm. Man kommt sich vor, als wandere man in den Regenwolken. Alles wird nass, egal ob man den Regenponcho trägt oder nicht. Bei dieser Sicht hätte man den Huberfelsen nur der sportlichen Herausforderung wegen besteigen müssen. Diese Herausforderung verspürte ich nicht. Vorbei am Führlefelsen kam ich zügig zum Karlstein. Hier musste ich hinauf. Eine andere Alternative gab es nicht. Deshalb begann ich auch sachte, um nicht schon auf halber Höhe keine Puste mehr zu haben.

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Es ging alles gut. Auch wenn von „Sicht“ keine Rede sein konnte, stieg ich die letzten Meter auf den mit Geländern gesicherten Karlstein. Mich erwartete ein „Alles Grau in Grau“. Aber ich weiß ja nicht, ob ich jemals wieder die Gelegenheit haben werde, hier zu wandern.

Vom Karlstein benötigt man nur wenige Minuten bis zum Gasthaus „Schöne Aussicht“. Ich ging jedoch zügig weiter bis zum Vesperstüble Silberberg. Unterwegs konnte ich noch im Bild festhalten, dass es hier oben geschneit hatte.

Schnee im April, auf dem Weg vom Karlstein zum Vesperstüble Silberberg.

Im Vesperstüble Silberberg hatte ich schon mehrmals übernachtet. Auch dieses Mal war ich hier gut untergebracht.

Vesperstüble Silberberg

Nachdem ich mich eingerichtet hatte, musste ich wie jeden Tag noch ein paar Schritte gehen. Nach Schonach hinunter wollte ich nicht. Also tippelte ich zur „Wilhelmshöhe“. Gar nicht weit vom Vesperstüble ist ein Bauernhof. Schon vor einigen Jahren sahen wir, dass hier ein frei laufendes Schwein zu Hause war. Heuer sah ich das Tier nicht. Aber die Wirtin vom „Silberberg“ bestätigte mir, dass das Schwein noch lebt und weiterhin alle Freiheiten hat.

Auf dem Westweg hat jeder Etappenort ein Portal wie dieses hier auf der Wilhelmshöhe in Schonach.

Westwegportal an der Wilhelmshöhe in Schonach

Am nächsten Morgen bemerkte ich, dass im Vesperstüble ausser mir noch zweimal zwei Frauen übernachtet hatten. Alle wollten auf dem Westweg zunächst in die Kalte Herberge.
Nach der Wilhelmshöhe ist es nicht weit bis zum Blindesee. Der Blindensee ist ein Hochmoor zwischen Schonach und Schönwald. Über einen Steg kann der Wanderer durch dieses Naturschutzgebiet gehen.

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Steigungen gibt es hier kaum. So kommt man auf den Waldwegen recht schnell vorwärts. Erst wenn es dann hoch zur Martinskapelle geht, muss man ein paar mal durchschnaufen. Das ist aber alles kein Problem.
Auf dem Weg zur Martinskapelle kommt man an der Elzquelle vorbei. Die Elz ist ein rechter Nebenfluss des Rheins. Das Wasser der Elz fließt also der Nordsee zu.
Nur wenige hundert Meter weiter kommt man zur Quelle der Breg, des größten Quellflusses der Donau, der Wasser ins Schwarze Meer fliesst.
Selbstverständlich schau ich, wo der Fluss entspringt, der nur wenige hundert Meter von meinem Zuhause vorbei fliesst.

Die Quelle der Breg, des größeren der beiden Quellflüsse der Donau.

Als ich von der Breg wieder zum Westweg zurück komme, sitzen zwei Frauen aus dem Vesperstüble auf einer Bank und machen Siesta. Ich frage, ob sie denn nicht an die Donauquelle gehen möchten. Sie entgegenten, wo denn hier die Donau sei? Nö, dahin gehen wir jetzt nicht, war die Antwort.
Aber das nur nebenbei.
Von der Martinskapelle kommt man recht schnell zum Brend, einem Aussichtsturm am Westweg.

Der Brend

Kurz vor dem Brend ist ein Naturfreundehaus, in dem man gut einkehren kann. Hier hatte ich schon einmal eine „Erbssuppe mit Wienerle“ aus einem Bierkrug gegessen. Dieses Gericht stand noch auf der Speisekarte. Das hat mir auch wieder gut geschmeckt.
An meinem dritten Regenwandertag wollte ich nicht auf den Brend steigen, nur um den grauen Nebel zu sehen. Ich ging weiter am „Goldenen Raben“ vorbei nach Neueck. Kurz danach kommt der Mittelweg von Furtwangen hoch. Gemeinsam geht es dann bis zur „Kalten Herberge“. Die „Kalte Herberge“ liegt direkt an der B 500. Sie ist ein beliebtes Ausflugslokal. Wanderer und Biker übernachten hier gern. Die Gaststätte liegt so etwa auf der Hälfte zwischen Schonach und Titisee bzw Hinterzarten (Westweg) und St. Georgen und Titisee/Neustadt bzw. Lenzkirch (Mittelweg) Ich war wieder gut untergebracht. Abendessen und Frühstück waren sehr gut. So gestärkt konnte ich am nächsten Tag den Weg nach Lenzkirch in Angriff nehmen.

Die „Kalte Herberge“.

Gleich nach der „Kalten Herberge“ trennen sich West- und Mittelweg wieder. Der Mittelweg biegt nach links ab, während der Westweg noch ein Stück parallel zu B500 verläuft.

Bis nach Oberschwärzenbach war es schön zu laufen. Allerdings begann es dann wieder zu regnen. So entschloss ich mich, vom Mittelweg abzuweichen und eine Abkürzung nach Neustadt zu wählen. Als der Regen stärker wurde, sah ich an einem Gasthaus, dem Donishof, wie ein Frau und ein Mann in ein Auto stiegen. Ich ging einen Schritt schneller und fragte die Beiden, ob sie mich bis nach Neustadt bringen könnten. Die Frau, sie sprach Schwizerdütsch, bejahte sofort. Was blieb dem Mann weiter übrig? In wenigen Minuten war ich am Neustadter Bahnhof. Ich entging so dem immer stärker werdenden Regen und ersparte auf diese Weise auch noch den steilen Abstieg vom Donishof nach Neustadt. Dankeschön, ihr lieben Autofahrer.
Außerdem mußte ich doch noch nach Lenzkirch gehen. Auf dem Weg dahin mußte noch der Hochfirst überwunden werden. Also, frisch auf und losgestiefelt.

Der Weg vom Bahnhof Neustadt bis hoch zum Bergrestaurant misst etwas 3 bis 3,5 Kilometer. Dabei sind etwa 300 Höhenmeter zu überwinden.

Aufsteig zum Hochfirst

Im Bergrestaurant gönnte ich mir eine Gulschsuppe. Das war eine gute Entscheidung. Der Koch hatte etwas sehr Gutes angerichtet. Die Suppe gab Kraft.
Am Tisch kam ich mit einem Mann ins Gespräch, der sich am Hochfirst gut auskannte.

Den Mann traf ich im Bergrestaurant.

Wir verließen gemeinsam die Gaststätte. Ich wählte nicht die Originalroute. Vielmehr ging ich mit dem Mann einen interessanteren Weg nach unten. Das war auch gut so. Auf diese Weise konnte ich wenigstens am Horizont den Feldberg erahnen. Der Mann erklärte mir auch, wo was Interessantes zu sehen ist. Und er bewahrte mich davor, bis in die Mitte von Lenzkirch abzusteigen, denn meine Unterkunft lag gleich an der Straße, auf die man kommt, wenn man den Wald verlässt.

Lenzkirch ist ein kleiner schmucker Ort.

Lenzkirch

Der vorletzte Tag meiner Wanderung versprach, wieder ein Sonnentag zu werden. Ich bestellte mein Frühstück im Gästehaus auf „vor acht Uhr, wenn es geht“ . So konnte zeitig Lenzkirch verlassen. Schnell war ich im Ort und suchte nach dem Wanderwegzeichen des Mittelweges. Die Wegführung, die mich mir aus dem Internet heruntergeladen hatte, war eine andere, als die mit den Wegschildern ausgezeichnete. Ausgerechnet als es den Berg hinauf ging, fehlte die „Rote Raute mit dem weißen Strich in der Mitte“. Die Touristinfo lenkte mich auf den richtigen Weg.

Dieser schöne Ameisenhaufen erregte meine Aufmerksamkeit

Ameisenhaufen

Der weitere Weg nach Schluchsee war nicht schwer zu gehen.
Im Schluchsee fehlt viel Wasser. Auf dem Weg entlang des Ufers nach Seebruck wird das ganz deutlich.
In Seebruck am Bahnhof stand ein Bus, der nach Häusern fuhr. Ich hatte ja noch von meiner letzten Untrkunft in Lenzkirch eine Gästekarte. Mit der kann man im gesamten Schwarzwald alle öffentliche Verkehrsmittel kostenlos benutzen. Ich erlag der Versuchung und fuhr die fünf Kilometer nach Häusern mit dem Bus.
Als ich in Häusern ankam, war es kurz nach 12 Uhr. In einer Bäckerei wollte ich noch einen Kaffee trinken. Die ältere Dame hinterm Tresen fragte: „Zum Mitnehmen?“. Ich sagte: „Nein, ich möchte den Kaffee hier trinken.“ „Das geht nicht.“, wurde ich aufgeklärt, „Hier ist jetzt geschlossen. Aber zum Mitnehmen, das geht.“ „Zum Mitnehmen, das geht bei mir nicht.“ entgegnete ich. Ich verabschiedete mich mit einem freundlichen: „Ich wünsche noch einen schönen Tag!“ und war aus dem Laden verschwunden.

Nach Höchenschwand, das sich ob seine mehr als 1000 Metern Höhe das „Dorf am Himmel“ nennt, wählte ich einen Waldlehrpfad. Das war sehr interessant.

Der Waldlehrpfad bei Häusern ist sehr informativ.

Kurz vor Höchenschwand nahm ich auf einer Bank noch eine Auszeit. Das Vesper schmeckte mir gut. Den Kaffee, der mir in Häusern entgangen war, vermisste ich nicht.
Gleich am Eingang des Ortes kommt man zum Haus des Gastes. Gast? Das war ich doch heute. Bin ich wirklich gern gesehen im Haus des Gastes? Eine Probe war angesagt. Ja, die Frau an der Info begrüßte mich. Als ich zu erkennen gab, dass ich Höchenschwand schon kenne, denn vor mehr als 14 Jahren war ich hier in der „Privatklinik St. Georg“, strahlte sie übers ganze Gesicht. Viele Gäste kommen vermutlich nicht zu Fuß ins „Dorf am Himmel“.

Privatklinik St. Georg in Höchenschwand.

An diese Klinik habe ich keine guten Erinnerungen. Ich bin aber trotzdem einfach hineinmarschiert. In den 14 Jahren hatte sich in der Klinik nichts verändert. Die Rezeption kann man ohne gefragt zu werden passieren, die dunklen Täfelungen an den Wänden erinnern an eine Zeit Anfang des vergangenen Jahrhunderts. Sicherlich wird sich in den Köpfen der Beschäftigten auch nichts geändert haben.

Mir scheint, als sei Höchenschwand fest in privater Hand. Die Klinken, es sind inzwischen drei oder vier, gehören alle einer Familie Porten. Hotels und Gaststätten gehören auch einer Familie Porten. Sogar eine Straße ist nach Porten benannt. Es war für mich ein Glück, dass der EDKA, den es schon vor 14 Jahren gab, noch existierte. Da konnte ich noch etwas für den Abend einkaufen und mich mit Mineralwasser versorgen.

Tschüss, Höchenschwand!

Bis zu meiner letzten Unterkunft waren es noch drei Kilometer. Ein Klacks angesicht des bisher zurück gelegten Strecke.
Bald hatte ich Amrigschwand erreicht. Das Haus „Waidmanns Heil“ war nicht zu übersehen.

Amrigschwand ist ein Ortteil von Höchenschwand.

Uschi, die Wirtin von „Waidmanns Heil“, empfahl mir, zum Abendbrot zu Eugen zu gehen. Eugen ist der Wirt der Gaststätte „Adler“ gleich gegenüber der Pension.
Ich fand die Haustür zwar offen, aber die Tür zur Gaststube war verschlossen. Ich hörte auch Stimmen in der Gaststube, aber die Tür blieb zu. Beim Verlassen der „Gast“stätte las ich, dass Eugen nur an Wochenenden geöffnet hat. Zurück nach Höchenschwand und bei Porten essen wollte ich nicht. Ich hatte doch im EDKA vorgesorgt.

Von Amrigschwand sieht man ständig diese weiße Wolke. Die gehört zu einem Kernkraftwerk jenseits des Rheins auf Schweizer Seite.

Das Kernkraftwerk liegt auf Schweizer Boden

Die Ruhe Amirgschwands wird gestört durch eine ungewisse Energieerzeugung. Aber das ist ja in Deutschland ebenso. Gundremmingen und Ulm werden etwa in gleicher Entfernung von einander liegen wie Amrigschwand und dieses Schweizer Atomkraftwerk.
Nach meinem Abendbrot schlief ich zufrieden ein.

Die letzte Etappe stand mir bevor. Gemessen an den bisherigen Streckenabschnitten war der Weg von Amrigschwand nach Waldshut eher eine Halbetappe. Bis zur Fohrenbachmühle ging ich auf einer kleinen Straße. Von der Mühle führt der Mittelweg in das Rosendorf Nöggenschwiel. Ein schmuckes Dörfchen hat sich mir präsentiert.

Nöggenschwiel, das Rosendorf.

Ich näherte mich beständig meinem Ziel. Indlekofen liegt vor mir. Noch einmal geht es einen Berg hoch, dann ist der letzte Anstieg der Tour bewältigt.

Indlekofen. Ein letzter Anstieg, dann sind alle Höhenmeter bewältigt.

Durch den Wald kommt man zu einem Wildgehege. Es war gegen Mittag, als ich da ankam. Das Gehege war gut besucht von Eltern mit ihren Kindern. An der Kantine kaufte ich mir eine Grillwurst.

Wildgehege

Bald hatte ich die ersten Häuser von Waldshut erreicht. Durch die Bäume war der Rhein zu erkennen.

Waldshut ist erreicht.

Von hier aus kann man auch ganz deutlich das Kernkraftwerk sehen.

Das Kernkraftwerk.

Jetzt sehe ich auch schon deutlich die schwarz-weiße Flagge als Zeichen, dass ich das Ziel bald erreichen werde. Noch über diese Eisenbahnbrücke und ich stehe am Bahnhof Waldshut. Ganz deutlich kann man jetzt Lärm der Zivilisaton wahrnehmen. Wie in jeder größeren Stadt wird an vielen Ecken und Enden gebaut. Kräne heben Lasten, Beton wird abgebrochen, große Lastautos fahren Baauschutt weg …. Mir ist, als sei ich nie durch den Schwarzwald gewandert.
Aber gleich erinnere ich mich an die schönen Wege und die netten Begegnungen mit Bekannten und Unbekannten.
Ich nehme viele neue Eindrücke von diesem liebenswerten Stückchen Baden-Württemberg mit nach Hause.
Wenn es mir möglich ist, komme ich wieder.

Der Bahnhof in Waldshut ist erreicht.

Ich hatte noch Zeit bis zur Abfahrt des Zuges. Also ging durch die Fußgängerzone der Stadt. Es lohnt bestimmt, diese Stadt an der Schweizer Grenze einmal zu besuchen.

Hier gibt es weitere Bilder

4 Kommentare

  1. Hallo lieber Frieder,
    mensch, jetzt habe ich dich auf dem Foto mit dem Hut gar nicht gleich erkannt. 😀
    Wir sind seit gestern Abend aus dem Urlaub zurück, waren in Gotha, Erfurt, Halle, Petersberg, Naumburg, Bad Kösen… es gibt überall wunderschöne Gegenden! Nun freue ich mich auf deinen Bericht, den ich so bald wie möglich in Ruhe lesen möchte. Da ist ja eine Menge zusammen gekommen, wie zu erwarten war. Du hast viel erlebt, viele nette Begegnungen gehabt. Dazu will ich mir mal Zeit nehmen.
    Vorerst ganz liebe Grüße an euch von uns beiden und einen festen Drücker 🙂
    Katrin

    • Hallo liebe Katrin,
      ich freu mich, dass ihr mit so vielen schönen Eindrücken wieder zu Hause angekommen seid.
      Es stimmt, die Wanderung war trotz ein, zwei Regentagen schön.
      Die Sache mit dem Hut ist eine eigene Geschichte. Auf jeden Fall war der Hut richtig bei Sonne und auch bei Regenwetter. 🙂
      Viele liebe Grüße an euch Beide
      von Frieder

  2. Hallo lieber Frieder,

    das war ja schon eine beeindruckende Leistung – so ein schöner Bericht – Bilder und Eindrücke – herrlich !
    Die Jägerschaukel kenn ich auch ganz gut, da habe ich schon im Winter bei Eis und Schnee darauf gesessen 🙂

    Ganz liebe Grüße Angelika

    • Hallo liebe Angelika,
      dankeschön, dass dir dieser Bericht gefällt.
      Da sassen wir also gemeinsam auf der Jägerschaukel, nur zu unterschiedlichen Zeiten 🙂 , wie schön.
      Ich möchte keinen Kilometer von dieser Wanderung missen, auch wenn es mitunter „schweißtreibend“ war.

      Viele liebe Grüße
      von Frieder

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