Roland geht gerne Wandern. Er fotografiert gern und kann so erzählen, dass man gerne zuhört. Er kann auch anderen zuhören, er ist hilfsbereit, er ist einfach ein guter Kumpel. In einem aber unterscheidet sich Roland von uns. Roland hat nur ein Bein und an Stelle des anderen Beins eine Prothese. Sein zweites Bein hat er durch eine Amputation verloren. Dieser Umstand hält aber Roland nicht davon ab, kreuz und quer durch Deutschland zu wandern. Bewegung, so sagt er, hält mich fit.
Für 2014 hat Roland sich vorgenommen, die Stuttgart-Spirale zu gehen. Er hat sich eine Strecke ausgesucht, die spiralförmig um Stuttgart verläuft.
Roland erzählt auf seinem Blog von seinen Wanderungen. So war es ein leichtes, Roland anzuschreiben. Ich wollte mal mit ihm einen Teilabschnitt seiner „Spirale“ gehen. Am Sonntag, dem 16. Februar, war es soweit, dass wir uns miteinander auf den Weg machen konnten.

Wir trafen uns am Bahnhof Oberesslingen. Als ich durch die Unterführung ging, kam Roland gerade die Treppe vom Bahnsteig herunter. Wir hatten uns noch nie gesehen, aber sofort erkannt. Er mit Rucksack und Krücken, dass konnte nur der Roland sein. Und ich mit Rucksack, Mütze und Wanderschuhen war auch unverkennbar derjenige, den Roland gesucht hatte.
Wir begrüßten uns, als hätten wir uns lange Zeit nicht gesehen und gingen ohne Umschweife los, unserem Ziel entgegen.
Roland holte sein I-Phone heraus, um den Weg anzuzeigen.

Roland sucht auf seinem I-Phone nachdem Weg

Nachdem wir den Neckar überquert hatten, wartete das erste ernst zu nehmende Hindernis auf uns, der Waldweg (oder besser gesagt, der Waldpfad oder auch gar nur der Weg durch den Wald) nach Berkheim.

Nach Berkheim mussten wir diesen Anstieg bewältigen.

Ich fragte Roland, ob er wusste, was ihn erwartete, als er den Weg auswählte. Er antwortete mir, auf der Karte ist der Weg ausgezeichnet, also kann man den Weg auch gehen. 🙂
Roland hat ganz sicher Erfahrungen mit solchen Herausforderungen. Er lies sich nicht aus der Ruhe bringen und überwandt Meter für Meter die Steigung. Mitunter musste lange suchen, mit den Gehhilfen das Gelände bearbeiten, um festen Halt für Fuß und Gehhilfe zu finden.

Wir sind schon einige Meter nach oben gekraxelt, wie der Blick zurück beweist.

Schließlich waren wir im Esslinger Stadtteil Berkheim angekommen. Hier konnte ich die ersten Krokusse fotografieren, die ich in diesem Jahr gesehen habe.

Krokusse im Berkheim

Eine Bank am „Berkheimer See“ gab uns Gelegenheit zu einer ersten Rast.

Rast am „Berkheimer See“

Wir haben uns aber nicht lange aufgehalten. Zielsicher navigierte Roland mit seinem I-Phone durch den Esslinger Ortsteil. Die angeregte Unterhaltung lies die Zeit schnell vergehen. Ganz schnell hatten wir Berkheim hinter uns gelassen. Jetzt, auf der Höhe, wehte ein kalter Wind. Das störte uns aber nicht, wichtig war, dass uns der Regen während unserer Wanderung verschonte.

Zügig wanderten Nellingen entgegen. Am Sonntag war das Industriegebiet wie leer gefegt. Was mag hier in der Woche alles los sein. Ein Palettenstapel auf dem Fußsteig gab uns die Gelegenheit, von uns beiden ein Bild zu knipsen. Dank einer Selbstauslösung an der Kamera war das möglich.

Roland und ich

Nachdem wir Nellingen und sein Industriegebiet verlassen hatten, ging es wieder über Felder. Jogger und Hundegassigeher begegneten uns. Manche mit noch düsteren Gesichtern, die meisten aber gut gelaunt, der ganze Sonntag stand um diese Zeit noch bevor.

Kurz darauf führte uns der Weg ins Körscher Tal. Jetzt waren wir wieder vor dem kalten Wind geschützt. Den Abstieg hatten wir gut bewältigt. Alle rutschigen Stellen hatten wir gut gemeistert. An einem Weg durch eine Gartenanlage fanden wir ein Bank, die uns einlud, hier einen kleinen Halt zu machen. Das mussten wir nutzen, nichts ist schlimmer, als unterwegs einen Hungerast zu bekommen.

Rast im Körscher Tal

Auf diesem schönen Weg sind wir dem Körschtalviadukt entgegen gewandert.

Dieser Weg muss sehr beliebt sein. Viele Hunde mögen diesen Weg. Große Tiere, kleine zierliche Wauwaus, viele verschiedene Rassen und sicherlich auch viele liebe Mischlinge pligerten mit ihren Frauchen und / oder Herrchen an uns vorbei. Roland fragte eine recht freundliche ältere Frau, ob sie uns beide mal fotografieren könnte. „Ja, mach ich,“, sagte sie, „wenn Sie mir sagen, wie es geht.“ Roland wies die Frau gewissenhaft in die Bedienung seiner Kamera ein. Die Frau tat wie ihr geheißen und drückte den Auslöser. Sie präsentierte uns ihr Bild. Ach du Gott, war Roland voll des Lobes über das gelungenen Foto. Von Profi und Ähnlichem war die Rede. Jaja, so ist er, der Charmeur. Aber mal nebenbei bemerkt, bei zwei so schönen Jungs wie uns, da konnte man nicht viel falsch machen. 🙂 (Das Foto mit uns beiden auf der Bank ist etwas weiter obenzu sehen.)

Nachdem wir unsere Mahlzeit eingenommen hatten, nachdem wir gut abgelichtet 🙂 waren, gingen wir weiter.
Am Körschtalviadukt waren wir wieder auf der Suche, auf der Suche nach einem geeignetem Weg nach oben.

Der Weg nach war nicht leicht. Aber welcher Weg nach oben ist für eine ehrliche Haut schon leicht. 🙂

Ansicht des Körschtalviadukts

Oben angekommen musste Roland der Tatsache ins Auge sehen, dass er am Abend wieder Stiefel putzen muss. Jetzt mussten wir den Matschweg gehen. Da beißt die Maus keinen Faden ab. Aber wir haben alles gut überwunden.

Matschweg

Auch die Autobahnauffahrt Esslingen war für uns kein echtes Hindernis, obwohl hier kein Fußweg war.

A8 Anschlussstelle Esslingen

Ich sagte zu Roland, was in den Verkehrsmeldungen zu erwarten sei.
„Achtung! A 8, Autobahnauffahrt Esslingen. Zwei Fußgänger unter der Fahrbahn.“ Darüber musste Roland schmunzeln, das hat ihm gefallen.

Nach der Autobahn ging es wieder übers freie Fildernfeld. Der Wind pfiff. Aber hier fanden wir wieder eine Bank. Und essen muss der Wanderer. Also rasteten wir hier noch einmal. Allerdings war es so windig, dass wir beide uns verstecken mussten und nur die Rucksäcke von unserer Anwesenheit zeugten. 🙂

zwei Rucksäcke allein auf einer Bank


Nun hatten wir auch Neuenhausen auf den Fildern erreicht.
Eine schnurgerade Straße führt von Neuenhausen nach Sielmingen, unserem Ziel. Davon ein paar Eindrücke.

Eindrücke von unterwegs

Eingangs Siemlingen benötigte Roland noch eine kleine Stärkung. Für ihn ist das besonders wichtig. Also Verpflegungstasche raus, einen isotonischen Trunk angerührt und getrunken, schon konnten wir weiter gehen.

Roland

Danach ist es nur noch ein Katzensprung bis zur Kirche und der Bushaltestelle. Das war unser Ziel für die Tour über die Fildern.

Kirche Silemingen, hier in der Nähe trafen wir uns mit Kartin und Thomas

Katrin und Thomas hatte sich bereit erklärt, uns von den Fildern abzuholen und wieder ins Neckartal zu bringen. Zuvor spendierte Thomas noch eine Runde Tee bzw. Kaffee. Danke Thomas. Danke euch Beiden fürs Abholen.

Hier noch ein Bild mit Katrin. Danke Thomas, dass du uns fotografiert hast.

Roland, Frieder und Katrin

So kam ich wohlbehalten in Oberesslingen an und konnte in Ruhe wieder nach Hause fahren.

Es war für mich ein sehr schöner Tag. Wenn man mit einem Menschen mit Oberschenkelamputation wandern geht, dann bekommt man einen kleinen Einblick über die Schwierigkeiten, die so eine Amputation mit sich bringt.
Roland hat sich in seiner Situation nicht aufgegeben. Er tat das, was er früher auch schon gemacht hat, er wanderte. So hat er sich geholfen und hilft anderen, an sich zu glauben.

Die Bilder von unterwegs, noch einmal als Galerie zusammengefaßt.

Hier noch der GPS-Track: