Marlies und Frieder berichten auf
dieser HP über die Bewältigung
ihrer Krebserkrankungen sowie
über die
Whipple-OP von Marlies
Das heutige Datum:

Die Chemotherapie
Noch während meiner "Friedberger Zeit" wurde ich nach Augsburg ins Zentralklinikum gebracht, um mich dort vorzustellen. Die
Chemotherapie begann am 10.Oktober 1996. Geplant waren 24 Zyklen (einmal pro Woche). Eingebettet werden sollte eine
Strahlentherapie mit ebenfalls 24 Zyklen (jeweils montags und dienstags sowie donnerstags und freitags). Bei den
Untersuchungen während der Therapie ist ein hartnäckiger Röntgenarzt auf einen Punkt in der Leber gestoßen, der eigentlich
gar nicht das typische Aussehen einer Metastase hatte. Der Mann, OA Dr. Knöpfle, wollte es aber ganz genau wissen. Ich
willigte in eine Biopsie der Leber ein. Der histologische Befund war dann aber eindeutig, eine Metastase des Colon-Ca.
Dann hatte ich noch Glück, daß ich im Zentralklinikum Augsburg auf den Chirurgen OA Dr. Lindemann traf. Der machte mir Mut
und erklärte sich bereit, die Metastase aus der Leber herauszuschneiden. zunächst jedoch wurde die Strahlentherapie
planmäßig abgeschlossen. Die 24 Zyklen haben ganz schön geschlaucht. Dann kamen noch vier Wochen Vorbereitungszeit
(Eigenblutspende). Anfang April 1997 war es dann soweit. Zum zweiten Mal zog ich ins Krankenhaus ein. Ich hatte ganz
gemischte Gefühle, aber ich sah für mich zu diesem Zeitpunkt keinen anderen Weg.
Die Leber-OP
Im März 1997 spendete ich in Vorbereitung auf die Operation Eigenblut. Am 7. April kam ich ins Klinikum Augsburg. Für den
9. April war die Operation geplant. Vorher wurde ich noch gründlich untersucht, CT, Röntgen, Sonografie etc. Der junge
Arzt, der die Sono durchführte, war der Meinung, die Leber sei diffus befallen, eine Operation deshalb nicht angeraten. Da
war ich mit all meinem Mut, mit all meiner Zuversicht ganz unten. Tränen standen mir in den Augen. In dieser Situation
baute mich der Chirurg, OA Dr. Lindemann, wieder auf. Ruhig und gelassen kam er ans Krankenbett und sagt: "Herr Büttner, ob
wir operieren oder nicht, das entscheiden wir beide und niemand anders."
Am 9. April, 10.00 Uhr lag ich auf dem OP-Tisch. Spät abends, es war schon dunkel, erwachte ich auf der Intensivstation.
Ich hatte starke Schmerzen. Die Schwester gab mir ein Schmerzmittel, und ich befand mich wieder im Reich der Träume. Am
nächsten Morgen kam ein etwas untersetzter Pfleger. Er hievte mich auf die Bettkante, gab mir eine Schüssel mit Wasser,
Waschlappen und Seife und sagte mir, ich solle versuchen, mich zu waschen. Wider Erwarten ging das ganz gut.
Wenig später erschien der OA Dr. Lindemann. Er erzählte mir, daß die Operation gut verlaufen sei. Die Metastase sei
kugelförmig gewesen, ohne Verästelungen. Nach seiner Auffassung sei ich biologisch tumorfrei. Ab sofort fühlte ich mich
wesentlich besser. Ich kam auf die normale Station. Bald wurde ich "abgekabelt" und konnte aufstehen. Am dritten Tag nach
der Operation versuchte ich mich am Treppensteigen. Vom Erdgeschoß ins 10. Stockwerk, da war meine Station, bin ich
geklettert. Ich nahm mir viel Zeit, aber ich habe es geschafft.
Ein Ausblick
Nach der Leber-OP kam ich zur AHB in die Fachklinik der LVA Schwaben für Inners nach Lindenberg/Allgäu. Dort erlernte ich
das Irrigieren, mein langer Restdarm war die Voraussetzung dafür. 24 Stunden und länger nichts im Beutel haben, das ist
doch fast wie ein Sechser im Lotto. Das Leben war nun wieder lebenswert geworden. Was konnte ich nun alles wieder tun? Ich
konnte mich frei und ohne fremde Hilfe bewegen. Ich konnte wieder Auto fahren. Eine Besonderheit waren die
Nachsorgeuntersuchungen. Wenn ich dann zur Sono mußte und der Arzt ewig nach dem verbliebenen Hämangliom suchte, war ich
immer wieder ganz weit unten. Das ist eine Angst, die mir niemand nehmen kann. Zunächst waren die Untersuchungen aller drei
Monate, klar, ich war ja Risikopatient. Später mußte ich nur noch einmal im halben Jahr hin und zuletzt nur noch jährlich.
August 2007
Heute sind nun seit der Darm-OP fast elf Jahre vergangen, mehr als zehn Jahre ist es her, dass ich an der Leber operiert wurde. Ich kann sagen, mir geht es gut. Geholfen hat mir meine Familie und ein Forum im Interent, dass ich heute zusammen mit Ulli und anderen Gleichgesinnten betreibe. Ich möchte so meine Erfahrungen an andere, die vor den gleichen Fragen stehen wie ich vor elf Jahren, weiter geben.
© Hans-Friedrich Büttner
letzte Aktualisierung: 24.07.2007